Was ist schön?

Von Attraktivität spricht man, wenn sich Schönheit und Persönlichkeit ergänzen. Doch überwiegt das eine über das andere? Lesen Sie, wie "Anziehung" funktioniert und ob Sie Ihr Potential ausschöpfen.

Über Schönheit lässt sich nicht streiten – oder etwa doch? Fakt ist: Der erste Eindruck wird maßgeblich von der Attraktivität des Partners beeinflusst, so Prof. Manfred Hassebrauck, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Wuppertal. Und schon die berühmte griechische Dichterin Sappho sagte: „Wer schön ist, ist auch gut“. Bedeutet das aber umgekehrt, dass innere Werte bei der Partnerwahl nur noch zweitrangig sind? Wie wichtig ist Attraktivität wirklich? Eine Frage, die der Forschung schon lange Kopfzerbrechen bereitet …

Was ist Schönheit?

Dieses Sprichwort kennen Sie sicher: „Schönheit liegt im Auge des Betrachters.“ Gemeint ist damit, dass jeder Mensch etwas anderes als schön empfindet. Aber stimmt das wirklich? Viele Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass es ganz objektive Kriterien für Schönheit gibt. Laut ihnen ist jemand nämlich dann schön, wenn er unserem Nachwuchs einen biologischen Vorteil verspricht. Symmetrische Gesichtszüge etwa deuten darauf hin, dass eine Person genetisch gesund ist. Diese Schönheitsinformationen nehmen wir unbewusst wahr und nutzen sie, um aus der Masse der verfügbaren Partner eine engere Auswahl herauszufiltern.

Eine Formel für die Schönheit

Schon seit dem Altertum gibt es den „Goldenen Schnitt“. Diese Formel beschreibt die ideale Proportion. Nach ihr ist das schön, was möglichst oft einen bestimmten Wert Phi (1,618) widerspiegelt. Ihn rechnet man aus, wenn man etwa den Augenabstand in das Verhältnis zur Länge des ganzen Gesichts bringt. Martin Gründl vom Lehrstuhl für Experimentelle und Angewandte Psychologie der Universität Regensburg hat sich den „Goldenen Schnitt“ zum Vorbild gemacht und Schönheit ganz exakt bestimmt. Seine Formel für die „perfekte Frauenfigur“ hat er sogar auf dem Weltkongress der plastischen Chirurgen präsentiert. Die Formel gilt übrigens in allen Kulturkreisen. Genauso wie das von der Psychologin Devendra Singh entdeckte ideale „Taille-zu-Hüfte-Verhältnis“ von 75 Prozent. Hat frau ganz genau diesen Wert, signalisiert sie damit eine besonders hohe Fruchtbarkeit.

Attraktivität ist wichtiger

Ganz schön kompliziert, diese Schönheitsformeln, und nicht gerade im Alltag anwendbar. Oder würden Sie bei Ihrem Angebeteten erst mal das Lineal ansetzen? Schönheit mag zwar messbar sein, sie sagt aber nichts darüber aus, wie gut ein Mensch beim anderen Geschlecht ankommt. Wenn Sie darüber nachdenken, was auf Sie anziehend wirkt, würden Sie sicher sagen: „Das ‚gewisse Etwas‘ muss da sein.“ Der Attraktivitätsforscher Professor Karl Grammer hat sich dieses rätselhafte „Etwas“ vorgenommen und „neun Säulen“ der Attraktivität bestimmt: Jugendlichkeit, Symmetrie, Zustand von Haut und Haar, Bewegung, Geruch, Stimme, Körpergröße, Hormonmarkierungen (das sind zum Beispiel feminine Rundungen oder maskuline Muskeln) sowie Durchschnittlichkeit.

Können wir uns attraktiver machen?

Giselle Bündchen ist das bestbezahlteste Model der Welt. Hat sie das „gewisse Etwas“ entschlüsselt? Würde sie uns diese verraten, wären wir dann auch berühmt? Eine Vorstellung, die Professor Karl Grammer sofort entkräftet. Er sagt, eine allgemeingültige Formel wird es nie geben. Es geht vielmehr darum, wie jeder von uns seine neun Zutaten mixt. Und im Gegensatz zu der Schönheitsformel des „Goldenen Schnitts“ gibt es in Punkto Attraktivität durchaus Geschmacksunterschiede.

Innere Werte zählen doch

Was ist eigentlich mit dem Charakter eines Menschen? Zählen positive Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Witz oder Charme denn gar nichts? Ein Team von US-Psychologen der Monmouth-Universität in Long West Branch, New Jersey, wollte genau das herausfinden. Sie zeigten Testpersonen Fotos von Männern und Frauen. Einmal ganz ohne etwas zu sagen, einmal mit Kommentaren zur Persönlichkeit des Abgebildeten. Die Probanden wurden daraufhin befragt, ob sie sich mit dem Abgebildeten eine Beziehung vorstellen könnten. Ihr überraschendes Ergebnis: Der Anteil der Persönlichkeit an der Attraktivität ist wesentlich größer als bislang angenommen. Ein angenehmer Charakter wirkt sich sogar positiv auf unsere Schönheit aus.