Neustart aus der Krise

Ein gebeichteter Seitensprung ändert schlagartig alles zwischen zwei Liebenden. Doch der entstandene Schaden muss nicht unausweichlich die Trennung zur Folge haben. Wie Paare gemeinsam einen Weg aus der Krise finden und gestärkt daraus hervorgehen können ...

Ein gebeichteter Seitensprung ändert schlagartig alles zwischen zwei Liebenden. Unausweichlich nimmt die Beziehung ernsthaft Schaden – wenn sie nicht gar daran zerbricht. Exklusivität und Treue sind nun einmal die Basis unserer Vorstellung von Zweisamkeit. Was also tun, wenn der Partner fremdgegangen ist?

Viele verabschieden sich zu schnell aus der Beziehung, obwohl sie noch Potenzial hat. Die gemeinsame Auseinandersetzung bedeutet oft eine echte Chance zum Neustart.

Hinsehen und Gründe finden

Wenn ein Partner fremdgeht, hat das immer einen Grund. Diesen zu finden, geht beide etwas an. Es gilt, sich intensiv und konstruktiv miteinander auseinanderzusetzen und die Beziehung neu aufzustellen. „Wer wegschaut, so tut, als wäre nichts gewesen, bereitet den nächsten Seitensprung vor“, warnt der Autor und Paartherapeut Hans Jellouschek. Wenn ein Paar gemeinsam nicht weiterkommt, sollte eine Paartherapie in Erwägung gezogen werden.

Alle Fragen beantworten

Um dem Betrogenen die Möglichkeit zu geben, zu verstehen, wie und warum der Seitensprung passieren konnte, muss der fremdgegangene Partner Rede und Antwort stehen. Nur mit größter Offenheit und Ehrlichkeit lässt sich die Distanz wieder abbauen. Allerdings nicht bedingungslos: Intime Details aus dem Bett abzufragen oder auch zu erzählen ist viel zu verletzend und absolut tabu.

Gemeinsamkeiten stärken

Beide Partner müssen rasch versuchen die aufgerissene Kluft zu überbrücken, indem sie Gemeinsamkeiten stärken. Eine Pause oder vorübergehende Trennung ist deshalb nicht sinnvoll. Psychologen raten, sich vor allem aufeinander zu konzentrieren und keine stundenlangen Gespräche nach außen mit Freunden oder der Familie zu führen. Diese können sehr destruktiv für den Heilungsprozess sein.

Zusammenarbeiten

Durch das Eintreten eines Dritten, ändert sich jede Zweierbeziehung grundlegend. Beide Partner werden destabilisiert, verunsichert und orientierungslos. An diesem Punkt ist aber nicht die Schuldfrage wesentlich, sondern das, was beide aus der Krise lernen und wie sie sie bewältigen können. Wenn sich etwas ändern soll, müssen beide an der Beziehung arbeiten.

Vertrauen zurückgewinnen

Vertrauen gewinnt ein betrogener Partner nicht von heute auf morgen. Andrew G. Marshall, seit über 25 Jahren Ehetherapeut, hat sieben Phasen von der Entdeckung bis zur Heilung eines Seitensprungs festgestellt, die viel Geduld brauchen. Am besten baut man Vertrauen auf, indem Absprachen getroffen werden, die der andere absolut zuverlässig einhält. Der Fremdgegangene sollte regelmäßig erwähnen, wieso er sich für die Beziehung entschieden hat und zeigen, wie sehr er seinen Partner liebt.

Nach vorne blicken

Irgendwann ist es Zeit, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Es geht schließlich nicht nur darum, dass einer seinen Fehler einsieht, der andere muss ihn auch verzeihen können. Paartherapeut Jellouschek rät zu einem Versöhnungsritual. Der Betrogene formuliert dabei schriftlich, was ihn verletzt hat, und liest es vor. Der Fremdgegangene nimmt seine Schuld an, bittet um Verzeihung und darum, die Verletzungen loszulassen. Dadurch löst sich das Schuldgefälle auf, beide Partner sind wieder ebenbürtig und die Verletzung kann nicht länger als „Waffe“ dienen.

Buch-Tipps zum Weiterlesen:

Hans Jellouschek: „Warum hast du mir das angetan? Untreue als Chance“ (Piper).

Andrew G. Marshall: „Kann ich dir jemals wieder vertrauen? So bewältigen Sie den Seitensprung Ihres Partners“ (Goldmann).

Roland Weber: „Gehen oder bleiben?“ (Klett-Cotta).