Liebesbriefe – die Macht der Worte

Im letzten Jahr wurden über 168 Millionen SMS pro Tag in Deutschland verschickt. Aber können die modernen Formen der Nachricht in Sachen "Liebe" mit dem altmodischen Brief mithalten? Hier finden Sie Wissenswertes über den Liebesbrief und Tipps für Ihren eigenen …

„Wenn man einander schreibt, ist man wie durch ein Seil verbunden.“ Das wusste schon Kafka und die moderne Technik erlaubt es uns, nahezu immer und überall mit anderen Menschen zu schreiben. Im letzten Jahr wurden über 168 Millionen SMS pro Tag in Deutschland verschickt. Aber können die modernen Formen der Nachricht in Sachen „Liebe“ mit dem altmodischen Brief mithalten?

Was könnte Gefühlen einen besseren Ausdruck verleihen als tintenblaue Worte auf einem weißen Papier? Jeder, der schon mal einen Liebesbrief bekommen hat, weiß, dass dieser sehr viel mehr Gefühle in einem hervorruft als die getippten Zeichen auf dem Smartphone. Deshalb finden Sie hier alles zum Thema Liebesbriefe sowie Tipps für Ihren eigenen Liebesbrief.

Vom Herzen in die Feder

Der Liebesbrief ist wohl einer der schönsten und persönlichsten Liebesbeweise, die es gibt. Über weite Entfernungen hinweg kann er zwei Menschen auf eine ganz besondere Weise verbinden. Aber auch jede andere Beziehung kann durch einen romantischen Liebesbrief neu belebt werden. Im Gegensatz zu den modernen Formen wie SMS oder E-Mail kann man den Liebesbrief in den Händen halten. Man kann die Worte wieder und wieder lesen, ihn unter das Kopfkissen legen oder vor Wut und Enttäuschung zerreißen. Auch über Jahre hinweg hat man eine wunderschöne Erinnerung, die man umbunden mit einer roten Schleife aufbewahren kann.

Die Geschichte des Liebesbriefs

Bereits aus der Antike sind Liebesbriefe bekannt. Schon Ovid und Seneca versuchten ihre Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen. Allerdings noch etwas anders als wir es heute tun. Seine Hochzeit erlebte der Liebesbrief im 18. Jahrhundert, denn nun lernte auch die breite Masse das Lesen und Schreiben. Gerade zu Kriegszeiten bekam der Brief eine ganz wichtige Bedeutung für die Menschen. Denn oft war er das einzige Mittel, sich über eine weite Distanz die Liebe zuzusichern. Noch dazu war er eines der wenigen Lebenszeichen, die die zurückgebliebenen Frauen und Geliebten von ihren Männern bekamen. Alleine im zweiten Weltkrieg wurden etwa 40 Milliarden Feldpostsendungen verschickt.

Eine Liebe nur in Briefen

Was macht man nur, wenn die Geliebte bereits verheiratet ist? Für Charlotte von Stein und Johann Wolfgang von Goethe gab es nur eine Möglichkeit, all ihren Gefühlen, Gedanken und der gegenseitigen Bewunderung Ausdruck zu verleihen: den Liebesbrief. Teilweise mehrmals täglich schickten sie sich kleine Nachrichten, die fast an die heutige SMS erinnern könnten. Nach Ende der Beziehung entstand Goethes Werk „Die Leiden des jungen Werthers“, eine romantische Geschichte zweier Liebender, die nicht zusammen sein durften. Nicht ohne Grund wählt Goethe hierfür die Form des Briefromans.

„P.S. Ich liebe Dich!“

Aber nicht nur in Romanen, auch in Filmen spielen Liebesbriefe eine wichtige Rolle. Im Film „P.S. Ich liebe Dich!“ hat der verstorbene Ehemann Gerry seiner Frau Holly zwölf Briefe hinterlassen, die ihr auf ganz unterschiedlichem Weg zugestellt werden. Am Ende jedes Briefes schreibt er „P.S. Ich liebe Dich!“. Durch die Briefe stellt er Holly verschiedene Aufgaben und will ihr so helfen, ihr Leben ohne ihn weiter zu leben. Eine ergreifende Geschichte über die wundervolle Wirkung von Briefen, die die Liebe über den Tod hinaus lebendig machen.

Tipps für Ihren Liebesbrief

„Um einen guten Liebesbrief zu schreiben, muss man anfangen, ohne zu wissen, was man sagen will, und endigen, ohne zu wissen, was man gesagt hat.“ So lautet Jean-Jacque Rousseaus Anweisung, wenn es darum geht, die eigenen Gefühle zu Papier zu bringen. Für alle, die Lust bekommen haben, einen geliebten Menschen mit einem Brief zu überraschen, haben wir hier drei hilfreiche Tipps.

1. Füller und Papier

Obwohl der Liebesbrief eine der freiesten Briefformen ist, sollte natürlich auch das Äußere beeindrucken. Schreiben Sie Ihren Liebesbrief deshalb auf ein weißes Papier, nicht auf kariertes oder liniertes. Grundsätzlich schreibt man einen Liebesbrief mit der Hand und nicht am Computer. Eine saubere Handschrift mit Füller oder einem anderen schönen Stift runden das äußere Erscheinungsbild ab.

2. Nur einmal schreiben

Bei vielen förmlichen Briefen schreibt man erst einen Entwurf und dann das Original. Nicht so beim Liebesbrief. Es ist sinnvoll, den Liebesbrief nur einmal zu schreiben und den Gefühlen dabei freien Lauf zu lassen. Denn beim Überarbeiten bessert man oft genau das aus, was Ausdruck der eigenen Gefühle war. Wer Angst hat, beim Schreiben etwas Wichtiges zu vergessen, kann sich zuvor einen Notizzettel erstellen mit Stichpunkten, die man unbedingt erwähnen möchte.

3. Individualisieren

Die schönsten Liebesbeweise sind individuelle, so auch beim Liebesbrief. Überlegen Sie sich, wie Sie Ihren Brief persönlich gestalten können. Anders als bei einer E-Mail oder SMS haben Sie hier beispielsweise die Möglichkeit den Brief zu verzieren, wenn Sie gut zeichnen. Oder Sie legen ein Foto oder andere kleine Gegenstände mit Bedeutung ins Kuvert.

Bildquelle: www.flickr.com/photos/nouv_elle/6103140930; Copyright by: Victoriia Z

(1) LiliGraphie/iStock/Thinkstock