Liebe ohne Trauschein

Nicht alle Paare wollen ihre Liebe mit dem Trauschein besiegeln. Solange die Beziehung harmonisch verläuft, ist das nicht weiter problematisch. Doch der Gesetzgeber hat für eine "wilde Ehe" kaum Regelungen. Was unverheiratete Paare deshalb beachten sollten ...

Nicht alle Paare wollen den Bund fürs Leben mit dem Trauschein besiegeln. Solange die Beziehung harmonisch verläuft, interessieren Rechte und Pflichten kaum. Doch kommen Kinder, Immobilien oder Krankheit hinzu, wird es problematisch. Denn der Gesetzgeber hat für Paare in „wilder Ehe“ kaum Verständnis.

Dabei lassen sich Nachteile gegenüber Ehepaaren individuell ausgleichen. Mit einem eigenen Regelkatalog können Sie sich und Ihren Lebenspartner rechtlich absichern. Wir sagen Ihnen, worauf Sie achten müssen.

Eigene Regelungen schaffen

Paare ohne Trauschein sind rechtlich nicht im Geringsten dazu verpflichtet, wie Eheleute in einer Lebensgemeinschaft zusammenzuleben. Deshalb ist es ratsam, die rechtliche Situation in bestimmten Punkten mit einem sogenannten Partnerschaftsvertrag festzulegen. Tut man dies nicht, muss mit ernsthaften Konsequenzen gerechnet werden.

Partnerschaftsvertrag gestalten

Wie ein Partnerschaftsvertrag im Einzelnen aussieht, hängt ganz von den Lebensumständen eines Paares ab. Überlegen Sie für jeden einzelnen Punkt, welche Auswirkungen im Trennungsfall auf Sie zukommen und hören Sie dabei auch auf Ihr Bauchgefühl. Entscheiden Sie gemeinsam, was Sie in einem Partnerschaftsvertrag festlegen möchten.

Vollmachten ausstellen

Besonders wichtig sind die sogenannten Vorsorgevollmachten. Ohne entsprechende schriftliche Vollmachten haben Sie im Krankheits- oder Unglücksfall des Partners keinerlei Rechte, stellvertretend für ihn oder sie zu handeln. Dies betrifft alles, von Bankgeschäften über Arztweisungen bis hin zu Erbschaftsregelungen.

Krankheits- oder Todesfall

Muss nun beispielsweise ein Partner wegen eines Unfalls oder einer Krankheit plötzlich ins Krankenhaus, sind Ärzte nicht einmal berechtigt, einem nicht ehelichen Lebensgefährten Auskunft über dessen Gesundheitszustand zu geben. Ohne Vollmacht darf der Lebensgefährte dem Arzt auch keine Zustimmungserklärungen oder Weisungen geben.

Kinder und Unterhaltszahlungen

Ein unverheiratetes Paar muss in einer öffentlichen Urkunde erklären, dass es die elterliche Sorge für ein Kind gemeinsam ausüben will. Ohne entsprechende eigene vertragliche Regelung bestehen gesetzliche Unterhaltsansprüche bei einer Trennung dennoch nur für die Zeit, in der die Kinder noch betreut werden müssen.

Ausgleichzahlungen

Nach dem Ende einer nicht ehelichen Partnerschaft gibt es keine gesetzlichen Ansprüche auf Ausgleich für Engagement während der gemeinsamen Zeit. Grundsätzlich gilt bei Unverheirateten, dass bei einer Trennung jeder sein eingebrachtes Eigentum wieder mitnimmt. Auch hier sollten Sie eigene Regelungen treffen, wenn Sie Leistungen ausgezahlt haben möchten.

Rentenausgleich

Problematisch sind in diesem Zusammenhang zum Beispiel Arbeitspausen aufgrund der Kinderbetreuung. Möglich wäre hier eine an den ehelichen Zugewinnausgleich angelehnte Regelung. Der arbeitende Partner gleicht dabei den Rentenverlust des Daheimgebliebenen aus, indem er den entsprechenden Betrag in eine private Altersvorsorge einbezahlt.

Immobilienhandhabung

Partnerschaftsverträge sollten auch enthalten, was mit gemeinsam gemieteten oder gekauften Immobilien im Trennungsfall geschieht. Schwierig wird es zum Beispiel, wenn ein gemeinsames Darlehen aufgenommen oder in das Eigentum des anderen investiert wurde. Bedenken Sie deshalb immer vorher die Auswirkungen großer Investitionen im Trennungsfall.

Wie gehe ich einen Partnerschaftsvertrag an?

Machen Sie sich so genau wie möglich Gedanken, welche Regelungen sich beide im Trennungsfall vorstellen können. Lassen Sie sich bei der Umsetzung und vor allem bei der genauen Formulierung von einem auf Familien- oder Erbrecht spezialisierten Anwalt oder Notar beraten, damit es am Ende nicht doch noch ein böses Erwachen gibt.