Liebe auf Rezept?

Ein Nasenspray, das Männer am Fremdgehen hindert. Eine Pille, die die Monogamie retten soll. Gibt’s nicht? Gibt’s doch. Wir haben recherchiert und klären auf: Was steckt hinter den verheißungsvollen kleinen Liebeshelfern aus dem Labor?

Ein Nasenspray, das Männer am Fremdgehen hindert. Eine Pille, die die Monogamie retten soll. Gibt’s nicht? Gibt’s doch. Das eine ist bereits in Online-Apotheken erhältlich, das andere soll voraussichtlich 2016 auf den Markt kommen.

Doch was genau steckt hinter den verheißungsvollen Liebeshelfern aus dem Labor?

Oxytocin-Spray: Treue auf Knopfdruck?

Nasenspray hilft ja bekanntlich gegen verstopfte Nasen – aber gegen Fremdgehen? Gut möglich, zumindest wenn dieses Oxytocin enthält, auch bekannt als Kuschelhormon. Oxytocin sorgt dafür, dass wir uns auf innige soziale Bindungen einlassen. Und fördert die Treue von Männern, die in einer Partnerschaft leben. So die Vermutung von Forschern der Universität Bonn.

Flirtlust ausgebremst

Im Rahmen einer Studie verabreichten sie 57 Männern ein Nasenspray, das entweder Oxytocin oder ein Placebo enthielt. Anschließend sollten sich die Probanden einer attraktiven Frau soweit nähern, bis sie den Abstand zu ihr für angemessen hielten. Das Ergebnis: Männer, die sich in einer Beziehung befanden und denen Oxytocin verabreicht wurde, hielten zu der Dame deutlich mehr Abstand als ihre Mit-Probanden.

Zu Risiken und Nebenwirkungen …

Abgesehen von einer sorglosen Partnerin kann das Nasenspray auch unerwünschte Nebenwirkungen haben, wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Übelkeit oder Krämpfe. Außerdem betonen Forscher, dass das Verhalten nicht allein durch die Wirkung eines Hormons gesteuert wird. Besser also, man investiert in ein paar zusätzliche Kuschelabende, Schäferstündchen oder leidenschaftliche Küsse. So produziert man Oxytocin nämlich auf ganz natürliche – und viel schönere Weise …

In der Testphase: Viagra für die Frau

Sie ist klein, weiß, schmeckt nach Pfefferminze und hört auf den Namen Lybrido. Die Rede ist von einer Pille, die Frauen zu mehr Lust auf Sex verhelfen soll. Entwickelt wurde sie vom holländischen Biochemiker Adrian Tuiten. Quasi Viagra für die Frau? Nicht ganz. Während Viagra einen rein physikalischen Prozess steuert, wirkt Lybrido zusätzlich auf das Gehirn und somit die Psyche. Dabei wird lustförderndes Dopamin ausgeschüttet und im Gegenzug beruhigendes Serotonin abgesenkt. Etwa drei Stunden nach Einnahme steigen das Begehren und die sexuellen Reize im Gehirn an.

Mit dem größeren Vergnügen …

Momentan befindet sich Lybrido noch in der Testphase, in den USA nehmen derzeit 420 Frauen die Lustpille ein. Adrian Tuiten gibt sich zuversichtlich: „Unsere Tests zeigen, dass diese Frauen häufiger Sex mit ihrem Partner haben. Und ihr Vergnügen daran ist größer, als sie es zuvor erlebten.“ Nebenwirkungen soll es fast keine geben. Sollte Lybrido von der US-Gesundheitsbehörde FDA zugelassen werden, könnte sie 2016 auf den Markt kommen.

Retterin der Monogamie?

Gedacht ist Lybrido für alle Frauen, die laut Studien unter zu geringer Lust leiden – oder in einer langjährigen Beziehung die Lust am Sex verlieren. Erfinder Tuiten glaubt, mit Lybrido Eheprobleme lösen und die Monogamie retten zu können: „Für viele Frauen ist die Monogamie selbst der Grund für ihre Lustlosigkeit. Entweder wir wandeln uns zu einer polygamen Gesellschaft – oder Frauen nehmen unsere Pillen.“

Fürs erste bleibt abzuwarten, ob Lybrido in Zukunft den Markt erobern und unzählige Ehen retten wird. Sollten wir uns stattdessen in eine polygame Gesellschaft wandeln, wäre das Oxytocin-Nasenspray mit Sicherheit ein Auslaufmodell …

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