Liebe oder Lebenslauf?

Endlich. Der neue coole Job. Allerdings in einer fremden Stadt. Falls Sie sich in Ihrem Wohnort gerade frisch verliebt haben, fragen Sie sich bestimmt: Umziehen oder pendeln? Was tun, damit die Partnerschaft nicht auf der Strecke bleibt?

Der neue Job in einer fremden Stadt, der langersehnte Studienplatz im anderen Bundesland oder eine coole Praktikumsstelle in den USA. Klingt gut. Allerdings nur für Ihre berufliche Karriere. Falls Sie sich in Ihrem Wohnort gerade frisch verliebt haben: Was tun, damit die Partnerschaft nicht auf der Strecke bleibt?

Genau 505,06 Kilometer Luftlinie sind Maja und Robert* jetzt voneinander entfernt. Die 29-jährige Maja wohnt in Berlin-Prenzlauer Berg und schreibt gerade an ihrer Masterarbeit. Ihr Freund Robert, IT-Spezialist bei einem großen Autohersteller, hat erst vor wenigen Wochen ein neues Jobangebot in München angenommen.

Jetzt pendelt der 33-Jährige an den Wochenenden von München nach Berlin und zurück. Dabei haben sich beide erst vor wenigen Wochen beim Online-Dating kennengelernt. Und gleich ineinander verliebt. Jetzt probiert das Paar eine Fernbeziehung – und ist damit kein Einzelfall: Drei Viertel aller Deutschen (72 %) haben schon Erfahrungen mit Liebe auf Distanz gesammelt.

Umfrage des Marktforschungsinstitut Innofact im Auftrag von ImmobilienScout24 unter 1.048 Personen.

Liebe in Zeiten von Skype und Facebook

Das hat das Portal ImmobilienScout24 in einer Umfrage herausgefunden. Erstaunlich: Für 92 Prozent der Befragten kommt eine Fernbeziehung prinzipiell in Frage. Die Akzeptanz der räumlichen Trennung vom Partner hat in den vergangenen Jahren sogar zugenommen. 2008 gab noch mehr als jeder Zehnte (11 %) an, dass eine solche Beziehung für ihn nicht in Frage käme.

Aber: Hat es die Liebe wirklich schwerer, wenn die berufliche Karriere vorgeht? Nicht unbedingt. Sie geht nur andere Wege. In Zeiten von Skype und Facebook, in denen sich Verliebte virtuell ganz nahe sein können, zeigen wir Zuneigung auf anderen Wegen: Ein Kuss auf den Bildschirm während des Skype-Telefonats kann romantisch sein. Hören, sehen, leider ohne Schmecken.

Tipp für Ihre Fernbeziehung: Liebe mit Skype

Liebe geht durch den Magen. Auch im Internet. Verabreden Sie sich beide zum Dinner via Skype-Videoanruf. Um in Stimmung zu kommen, Kerzen anzünden und CD-Player einschalten. Kochen muss jeder vorher für sich allein.

Zusammen schläft sich’s besser ein. Dafür stellen Sie Ihr Notebook oder Ihren Laptop auf den Nachtschrank neben Ihr Bett. Dann ab in die Kiste. Bestenfalls schlafen Sie beide nach einem langen Gespräch zusammen ein. Gute Nacht!

Zusagen oder ablehnen? Umziehen oder pendeln?

Maja und Robert stehen gleichzeitig auch für einen Trend, der sich besonders bei Akademikern zeigt: „Dual Career“. Beziehungen, in denen sich beide beruflich verwirklichen möchten und die Partner „zwei Karrieren“ nachgehen. Im Jahr 2010 lebten bereits knapp 30 Prozent der Akademiker als sogenannte Doppelkarrierepaare. Tendenz steigend.

Und hier wird die Beziehung auf die Probe gestellt. Es ist eher unwahrscheinlich, dass beide am selben Ort einen Job finden, der ihnen gefällt und gut bezahlt ist. Zudem erwarten Arbeitgeber die Bereitschaft, Wohnort und Lebensmittelpunkt zu wechseln. Viele Paare sehen sich dann mit Fragen konfrontiert: Du oder ich? Oder wir beide? Zusagen oder ablehnen? Umziehen oder pendeln?

Probleme auch am heiligen Wochenende offen ansprechen

Dass hier kein falscher Eindruck entsteht: Manchmal kriselt es ein wenig zwischen Maja und Robert. Denn Fernbeziehungen sind auch eine Herausforderung. Das weiß Buchautorin Dorit Kowitz nur zu genau. In ihrem Ratgeber „Kommst du Freitag“ schreibt sie, wie die Liebe geografische Distanz überwindet. Sie hat selbst zehn Jahre lang eine Wochenendbeziehung geführt.

Im Interview mit „Zeit online“ empfiehlt sie Paaren, Probleme immer anzusprechen: „Und das auch am heiligen Wochenende. Es bringt nichts, alles auszublenden, aus Sorge, sich die knappe Zeit zu verderben“, so Kowitz. Ihr Fazit: Fernliebe kann toll sein. Man verschleißt sich nicht im Alltag und hat den Kopf frei für andere Dinge. Maja und Robert sollten sich das zu Herzen nehmen.

* Namen von der Redaktion geändert

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