Liebe – europäisch

Mein Name ist Manfred Hassebrauck. Ich bin Professor für Sozialpsychologie und berate LoveScout24 bei der Weiterentwicklung ihres Angebots. Einmal im Monat berichte ich Ihnen in meiner Kolumne direkt zum Thema Paarbeziehungen.

Mein Name ist Manfred Hassebrauck. Ich bin Professor für Sozialpsychologie an der Bergischen Universität Wuppertal und berate LoveScout24 bei der Weiterentwicklung des hochwertigen Angebots. Einmal im Monat berichte ich Ihnen in meiner Kolumne direkt über meine Forschungen zum Thema Paarbeziehungen. Spannend, verständlich und anwendbar. Diesen Monat habe ich mich mit diesem Thema beschäftigt: „Liebe – europäisch“

Urlaubszeit – Reisezeit. Wieder werden Millionen von Deutschen verreisen, viele ins europäische Ausland. Sie erhoffen sich Abwechslung vom Alltagsleben und Erholung. Und manche wünschen sich, den Traumprinzen zu finden oder zumindest einen aufregenden Urlaubsflirt zu erleben. Vielleicht gehören Sie auch zu denen, die einem Flirt im Urlaub nicht ablehnend gegenüberstehen. Dann haben Sie sich bestimmt auch schon gefragt, wie das denn mit der Liebe in Europa so ist. Sind Italiener die sprichwörtlichen feurigen Liebhaber und sind die Schwedinnen so freizügig, wie man denkt? Oder sind wir nicht alle gleich in Sachen Liebe?

Natur und Kultur
Wie so oft gehen auch bei Liebe Natur und Kultur Hand in Hand. Emotionen – und so auch die Liebe – sind etwas ganz Wesentliches für unsere menschliche Existenz. Darum kommen Ärger, Freude und eben auch die Liebe in jeder Kultur vor. Die Kultur, in der wir aufwachsen, beeinflusst aber, wie wir mit unseren Gefühlen umgehen und wie stark wir sie in Mimik und Gestik ausdrücken. Kulturelle Verstellungsregeln, wie sie von Emotionsforschern genannt werden, sind dafür verantwortlich, dass beispielsweise Japaner sowohl Freude als auch Ärger in ihrer Mimik weniger erkennen lassen als wir Europäer. Kulturelle Einflüsse sind auch für Gestik und Körperkontakte verantwortlich.

Tausendmal berührt

Machen Sie sich einmal den Spaß, im Urlaub Einheimische in Straßencafés zu beobachten und zählen sie, wer wen wie oft beim Reden berührt. Sind Sie vielleicht dieses Jahr in Griechenland, kommen Sie aus dem Zählen nicht mehr raus. Mehr als 100 Mal pro Stunde berühren sich zwei Griechen während eines Gesprächs durchschnittlich. Griechenland ist eine Kontaktkultur. Sind Sie dieses Jahr in England? Das Zählen der Berührungen wird Ihre volle Aufmerksamkeit erfordern, denn die Gesprächspartner werden sich voraussichtlich kein einziges Mal berühren – ein typischen Verhalten für Menschen, die in einer Nicht-Kontakt-Kultur aufgewachsen sind.

Kommunikation ohne Worte
Unterschiede im nonverbalen Ausdrucksverhalten machen es auch uns Reisenden oft schwer, zu verstehen, welche Absichten unser Gegenüber hat. Italiener richtig zu verstehen, auch wenn man italienisch kann, ist für uns Deutsche nicht einfach. Die Handbewegungen in Italien bedeuten oft mehr als das gesprochene Wort.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Diese kulturellen Unterschiede haben meine Mitarbeiter und mich neugierig gemacht, und wir haben die Liebe in Europa genauer unter die Lupe genommen. Tausende von Männern und Frauen in Deutschland, Polen, Österreich, Spanien, Griechenland, Ungarn und Italien haben uns ihre Vorstellungen von Liebe und Partnerschaft gesagt. Das Ergebnis: ein gemeinsamer Kern – und kulturelle Unterschiede. Gemeinsam ist allen von uns untersuchten Europäern, dass eine gute Beziehung aus Intimität, Übereinstimmung, Unabhängig und Sex besteht. Das meinen Männer wie Frauen, Junge und Alte, Singles und Paare. Und überall ist Männern Sex wichtiger als den Frauen.

Was ist wichtig?

Was wir Deutschen allerdings beim Urlaubsflirt im europäischen Ausland beachten müssen, sind die Unterschiede zwischen den Ländern. So bringt es wenig, beim Date mit einem Italiener oder einer Italienerin zu betonen, wie viele gemeinsame Interessen man doch hat und wie ähnlich man sich in seinen Einstellungen ist. Von allen Europäern legen die Italiener am wenigsten Wert auf Gemeinsamkeiten in einer Partnerschaft. Für Italienkenner ist das nicht überraschend. Die Welt der Verheirateten ist in eine Männerwelt und eine Frauenwelt geteilt. Verheiratete Männer unternehmen mehr mit Freunden als mit der Partnerin, die Frauen verhalten sich genauso. Gemeinsamkeiten sind daher weniger wichtig. Viel wichtiger ist Unabhängigkeit. Sie wird in Italien so hoch gewichtet wie in keinem anderen der europäischen Länder meiner Studie. Wem Gemeinsamkeiten wichtig sind, der sollte besser nach Ungarn reisen. In keinem anderen Land sind sie so wichtig wie in Ungarn.

Griechenland überrascht

Und wie steht es mit dem Sex? Auf nach Griechenland! Ich habe nicht nur in Europa sondern weltweit kein Land gefunden, in dem Sex ein so große Bedeutung für eine Beziehung hat, wie in Griechenland. Sex ist in Griechenland die Nr. 1 und damit noch wichtiger für eine Beziehung als Intimität. Und die feurigen Italiener? Im Hinblick auf die Wichtigkeit von Sex sind sie den Deutschen verblüffend ähnlich.

Gut vorbereitet

Zur guten Urlaubsvorbereitung gehört nicht der Reiseführer, der meist mehr über Land als über Leute berichtet. Kenntnisse der kulturellen Eigenheiten helfen, vielen Missverständnissen vorzubeugen. Sonst geht es Ihnen noch wie den amerikanischen GIs nach dem zweiten Weltkrieg, die von der scheinbaren „Freizügigkeit“ der deutschen Frauen so beeindruckt waren. Der Grund: ein kulturelles Missverständnis. Für die Amerikaner ist der Kuss – im Gegensatz zu den Europäern – die direkte Vorstufe von Sex. Wer küsst, will Sex, das ist die übliche Handlungsabfolge beim Date auf amerikanisch. Und so waren sie – sehr zur Überraschung der deutschen Frauen – entsprechend forsch.