Gefährliche Wünsche

Mein Name ist Manfred Hassebrauck. Ich bin Professor für Sozialpsychologie und berate LoveScout24 bei der Weiterentwicklung ihres Angebots. Einmal im Monat berichte ich Ihnen in meiner Kolumne direkt zum Thema Paarbeziehungen.

Mein Name ist Manfred Hassebrauck. Ich bin Professor für Sozialpsychologie an der Bergischen Universität Wuppertal und berate LoveScout24 bei der Weiterentwicklung des hochwertigen Angebots. Einmal im Monat berichte ich Ihnen in meiner Kolumne direkt über meine Forschungen zum Thema Paarbeziehungen. Spannend, verständlich und anwendbar. Diesen Monat habe ich mich mit diesem Thema beschäftigt: „Gefährliche Wünsche: Was passieren kann, wenn man wirklich bekommt, was man sich wünscht.“

Fatale Attraktionen

„Bedenke gut, was Du Dir wünscht, es könnte wahr werden.“ Wer kennt das nicht: Anfangs ist man hin und weg vom neuen Partner, doch Monate oder Jahre später verzweifelt man genau an den Eigenschaften, die man einst so toll fand. Wissenschaftler bezeichnen dieses Phänomen als „fatale Attraktionen“: Die Merkmale, die eine Person anfänglich attraktiv gemacht haben, sind bei genauerer Betrachtung oft auch die, welche später zur Trennung führen. Dies klingt zunächst wunderlich, und es erinnert an den Zauberlehrling, der die Geister nicht mehr loswurde, die er rief. Weshalb können sich auch Partnerwünsche manchmal als Hypothek mit unangenehmen Folgen erweisen?

Zwei Seiten der Medaille

Stellen Sie sich einen Mann mit Status vor, der für viele Frauen zunächst attraktiv wirkt. Status kommt nicht von ungefähr, meist muss „Mann“ sich ihn hart erkämpfen. Mit Erfolg im Beruf glänzen zu können, bedeutet oft, im Privatleben einige Einbußen hinzunehmen. Überstunden, Wochenendseminare oder Online-Präsenz nach Feierabend sind nicht selten vonnöten, um die Karriereleiter empor zu klettern. Natürlich ist es in der Verliebtheitsphase für die Partnerin aufregend, einen Mann an ihrer Seite zu haben, zu dem andere aufsehen, der in exklusive Restaurants einlädt und den Wochenendtrip nach Rom spendiert. Doch es zeigt sich im Verlauf der Beziehung die Kehrseite der Medaille: Für Urlaube bleibt keine Zeit, der Tag im Büro endet für ihn nicht vor 22 Uhr, und das Handy ist in intimsten Momenten niemals ausgeschaltet. Partnerinnen eines solchen Mannes fühlen sich dann nicht selten in den Hintergrund gedrängt und beklagen die wenige Zeit, die ihr Partner ins Privatleben investieren kann. So haben sie sich das Zusammenleben mit einem erfolgreichen Mann nicht vorgestellt!

Ist „Wonderwoman“ wirklich so wunderbar?

Stellen Sie sich im Gegenzug eine Frau vor, die wegen ihres perfekten Aussehens die Blicke aller auf sich zieht. Zunächst ist „Mann“ hocherfreut über ihre tadellose Figur und das allzeit gelungene Styling, mit solch einer Frau lässt sich gut prahlen. Und mal ehrlich: Ein gut durchtrainierter Frauenkörper lässt Männerherzen höher schlagen. Wer jedoch Supermodelqualitäten haben möchte, zahlt oft seinen Preis. Ständiges Achten auf das Gewicht, mühselige Stunden im Fitnessstudio und kostspielige Shopping-Touren sind an der Tagesordnung. Die Beziehung mit „Wonderwomen“ hat eben auch ihre Kehrseite: Ein genussvolles Dinner zu zweit kann schnell langweilig werden, wenn das Zählen der Kalorien den Abend bestimmt: SIE stochert in ihrem Salat herum und nippt am stillen Wasser, während ER die Flasche Chianti allein leeren muss. Die vielen Stunden beim Sport gehen von der Zeit zu zweit ab, die aufwendigen Investitionen in Kosmetik und Mode schröpfen die Haushaltskasse. Und die begehrenden Blicke der Konkurrenz machen irgendwann misstrauisch.

Schützen Sie sich vor Enttäuschungen
Auch für Beziehungen gilt das Sprichwort: „Es ist nicht alles Gold, was glänzt“. Versuchen Sie also nach Möglichkeit schon in der frühen Phase des Kennenlernens, die Schattenseiten der faszinierenden Seiten der neuen Bekanntschaft zu sehen. Sie können sich so vor späteren Enttäuschungen schützen.

Partnerwünsche und Präferenzen sind im Großen und Ganzen allerdings meist sehr funktional und helfen uns, eine glückliche und zufriedenstellende Beziehung zu führen. Etwa, wenn wir eine Person sympathisch finden, die uns in ihren Einstellungen ähnlich ist, oder wenn wir jemanden wählen, der großzügig anstatt kleinlich ist. Ebenso, wenn wir auf äußerliche Merkmale achten, die uns wichtig sind, wie gepflegte Haare oder schöne Zähne.

Durchschnitt ist nicht unbedingt von Nachteil

Was sicht nicht so förderlich für den Verlauf von Beziehungen erweist, sind Vorlieben für extreme Ausprägungen bestimmter Eigenschaften – auch solcher, die an sich positiv sind. Diese fallen zwar leicht ins Auge und lassen jemanden auf Anhieb begehrenswert erscheinen, später aber erweisen sich gerade diese Eigenschaften als Belastung für die Beziehung. Dann werden auf einmal sehr lustige und humorvolle Partner kritisiert, weil man sich nicht ernst mit ihnen unterhalten kann. Oder der Partner, der einst damit faszinierte, dass ihn nichts aus der Ruhe bringt, wird später für seine Unverbindlichkeit verurteilt. Jemand, der zuvor begeisterte, weil er extrem unkonventionell ist, zeigt später, dass er auf Normen und das Erfüllen von Erwartungen keinen Wert legt – auch nicht in einer Beziehung. Und jemand, der sich bewundernswert um einen kümmert und jeden Wunsch von den Lippen abliest, wird nach einiger Zeit nicht selten als jemand empfunden, der einengt und nicht genug Freiräume lässt.

Extreme Merkmale setzen sich oft auf Kosten anderer wichtiger Merkmale durch, daher bedenken Sie: Ein wenig Durchschnittlichkeit ist nicht unbedingt von Nachteil. Und – überlegen Sie sich gut, was Sie sich wünschen!