Richtig streiten will gelernt sein

Wer in einer festen Beziehung ist, kommt um Streit mit dem Partner kaum herum. Der Psychologe Philipp Yorck Herzberg von der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg hat herausgefunden, dass Streit nicht nur negativ sondern auch heilsam sein kann ...

Wer in einer festen Beziehung ist, kommt um gelegentlichen Streit mit dem Partner nicht herum. Oft wird dabei Streiten als negativ empfunden. Doch Psychologe Philipp Yorck Herzberg hat jetzt herausgefunden, dass Streit sogar heilsam für eine Beziehung sein kann – wenn man weiß, wie richtiges Streiten geht.

Richtig streiten kann man lernen, und zwar ohne sich verstellen oder zusammenreißen zu müssen. Doch auch hier gilt: Gewisse Dinge sind Tabu.

Verschiedene Streitstile

Philipp Yorck Herzberg ist Psychologe an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg und unterscheidet bei Paaren zwischen vier Streitformen. Nur eine Form ist förderlich und für die Beziehung nicht belastend. Paare, die einen der drei schädlichen Streitstile verinnerlicht haben, sind mit ihrer Beziehung weniger zufrieden als Paare, die richtig streiten.

Kompromissbereiter Streit

Laut Herzberg ist Kompromissbereitschaft der Schlüssel zu erfolgreichem Streiten. Die Suche nach Kompromissen zeigt, dass man die Ansichten des anderen nachvollziehen kann. Seiner Erfahrung nach wirke es oft Wunder, explizit auszusprechen: „Ich sehe, dass du da anders denkst.“

Der kämpferische Stil

Beim kämpferischen Streitstil möchte einer der Partner sein Gegenüber dominieren und wird dabei zynisch oder ausfallend. Die inhaltlichen Aspekte des Streits sind weniger wichtig als der persönliche Angriff. Häufig werden die Augen verdreht und das Thema des Streits auf charakterliche Mängel des anderen gelenkt.

Der Rückzieher

Weniger direkt aber genau so schädlich ist der Rückzug. Der Partner ist schnell beleidigt und schottet sich ab, anstatt den Konflikt auszutragen. Er geht dem Streit aus dem Weg und versucht so, ihn einzudämmen. Auf den Partner wirkt das aber oft, als interessiere den anderen der Konflikt gar nicht.

Der Nachgiebige

Die dritte ungeeignete Streitform ist die Nachgiebigkeit. Dabei versucht einer der Partner, es dem anderen beim Streit unbedingt recht zu machen. Um dies zu erreichen, leugnet er seine eigenen Bedürfnisse. Das ist zwar für den Moment hilfreich, führt längerfristig aber zu Problemen. Wer immer nachgibt, staut nur Wut und Groll an.

Klarheit vor Schönheit

Die Grundregel besagt, dass die Konfliktkommunikation stimmig sein muss. Das heißt, dass Ärger auch gezeigt werden sollte. Lautstärke im Streit ist dabei nicht problematisch, eine respektlose Haltung dem Partner gegenüber schon. Im Zweifelsfall gilt immer Klarheit vor Schönheit. Sagen Sie lieber deutlich, was Sie stört, anstatt sanfte Sätze zu formulieren.

Vorbeugung

Allein mit der Theorie und dem Wissen um das richtige Streiten ändert man seinen Streitstil nicht. Doch wer nach und nach versucht, in Streitgesprächen und Konfliktsituationen sein Wissen umzusetzen, hat gute Chancen. Das kann im Eifer des Gefechts durchaus schwierig sein, aber auch beim Streiten ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

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