Behalten oder wegwerfen?

Kaum etwas hinterlässt so viel in unserem Leben wie eine verflossene Liebe. Im Laufe einiger Beziehungsjahre findet deshalb so manches Erinnerungsstück Platz in der eigenen Wohnung. Soll man diese behalten oder konsequent wegwerfen?

Wenn Tränen, Liebeskummer und Herzschmerz schon lange vorbei sind, bleibt nach vielen Jahren trotzdem immer etwas von der großen Liebe übrig. Und zwar ganz materielle Dinge wie Liebesbriefe, Fotos und Geschenke. Unsere Redakteurin Afra hat sich gefragt, was besser ist behalten oder wegwerfen?

Asterix bei den Liebenden

Neulich wollte ich meine Kommode ausmisten. Für den nächsten Anfall von Shoppingwut den längst überfälligen Platz schaffen, so mein Plan da grüßte aus der Schublade unvermittelt altes Liebesgut. Es war eine kleine Asterix-Figur. Und plötzlich wurde ich geistig auf eine Geburtstagsparty ins Jahr 2000 katapultiert und saß mit meiner ersten großen Liebe alleine in seinem Zimmer. Ich war total verknallt und er völlig überfordert. Deshalb begann er plötzlich, den Text eines herumliegenden Asterix-Comics zum Besten zu geben, anstatt mich endlich zu küssen. Die Asterix-Figur hat er mir später geschenkt, weil ich ihm eben diesen Kosenamen gegeben hatte. Unsere Liebe ging nach zwei Jahren, die Asterix-Figur blieb bei mir.

Liebesballast loswerden

© Museum of Broken Relationships

Wahrscheinlich erzählen in fast jeder Wohnung ein paar Erinnerungsstücke von verflossenen Liebschaften und sind dort ganz unbemerkt zum festen Inventar geworden. Die Klassiker sind Bilder, Kleidungsstücke und selbstgemachte Mixtapes auf CD oder Kassette. Da manche Erinnerungsstücke und Liebesgeschichten viel zu schön oder zu kurios für verstaubte Verstecke sind, kann man ihnen im Museum of Broken Relationships in Zagreb zum großen Auftritt verhelfen. Jeder kann dem Museum die Relikte seiner zerbrochenen Liebesbeziehungen spenden. Und das geht so: Man hinterlässt eine Nachricht mit genauen Angaben zum Objekt und folgt den Instruktionen der Antwort-E-Mail. Eine äußerst gelungene „Recycling-Möglichkeit“, das findet auch das Gremium des Kenneth Hudson Awards, mit dem das Museum im Mai 2011 als innovativstes europäisches Museum des Jahres ausgezeichnet wurde.

Gehört es zum ‚Wir‘ oder zu mir?

Bleibt die Frage, ob es wirklich das Beste ist, sich grundsätzlich von Beziehungsüberresten zu trennen? Sind solch sentimental kontaminierten Erinnerungsstücke nicht einfach Zeugen der persönlichen Vergangenheit, vielleicht sogar eine Art Tagebuch? Die Expertenmeinung dazu fällt pragmatisch aus. Paartherapeut, Autor und Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer sagte kürzlich in einem Interview mit der Zeitschrift „Brigitte“, dass man ohne Bedenken alte Liebesdinge behalten darf. Solange nicht bei jedem Anblick Schmerzen verursacht werden, ist damit alles erlaubt, was gefällt.
Tja, alte Liebe rostet eben nicht. Meine Asterix-Figur wird deshalb weiter in meinem ganz persönlichen „Museum of Broken Relationships“ wohnen …

 

Einige der Ausstellungsstücke des Museums können Sie in unserer Bildergalerie bestaunen: