Trennung am Valentinstag

Mein Name ist Manfred Hassebrauck. Ich bin Professor für Sozialpsychologie und berate LoveScout24 bei der Weiterentwicklung ihres Angebots. Einmal im Monat berichte ich Ihnen in meiner Kolumne direkt zum Thema Paarbeziehungen.

Mein Name ist Manfred Hassebrauck. Ich bin Professor für Sozialpsychologie an der Bergischen Universität Wuppertal und berate LoveScout24 bei der Weiterentwicklung des hochwertigen Angebots. Einmal im Monat berichte ich Ihnen in meiner Kolumne direkt über meine Forschungen zum Thema Paarbeziehungen. Spannend, verständlich und anwendbar. Diesen Monat habe ich mich mit diesem Thema beschäftigt: „Trennung am Valentinstag“.

Gerüchte über Prominente, die ihre Trennung genau am Valentinstages bekannt geben wollen – wie Jennifer Lopez und Marc Anthony –, sind besonders medienwirksam. Vermutlich deswegen, weil man am Valentinstag nicht an Trennung denkt, sondern an den Tag der Liebe und der Verliebten. Dabei sind Trennungen am Valentinstag, oder kurz danach, keine Seltenheit. Ganz im Gegenteil, das Risiko, dass eine Beziehung beendet wird, ist in den zwei Wochen nach dem Valentinstag 5,5 mal so hoch wie sonst im Durchschnitt über das Jahr hinweg. Dabei wird der „Tag der Liebe“ mittlerweile in großem Ausmaß zelebriert: Ganze Industriezweige profitieren von diesem Ereignis, viele Paare schenken sich etwas am Valentinstag oder überraschen sich mit einer Einladung, z.B. zum Essen. Wobei, genau genommen, von „überraschen“ am Valentinstag nicht gesprochen werden kann. Überrascht ist man vermutlich eher, wenn man nicht „überrascht“ wurde. Und damit bin ich auch schon bei den Erwartungen und deren Schattenseiten, die mit dem Valentinstag verbunden sind.

Risikofaktor
Der Valentinstag als bedeutender Risikofaktor für den Fortbestand einer Liebesbeziehung? Worauf kann das zurückzuführen sein? Forscher meinen etwas skeptisch, der Valentinstag sei ein Tag, an dem man eigentlich nicht gewinnen sondern nur verlieren kann. Das liegt daran, dass Geschenke oder Einladungen zum Valentinstag nichts über die wahren Absichten und die Größe der Liebe aussagen. Fragen Sie sich nicht auch manchmal, ob Ihr Partner Ihnen am Valentinstag Blumen schenkt, weil es an diesem Tag so üblich ist? Weil es jeder macht und es eher unangenehm auffällt, wenn man das Schenken an diesem Tag unterlässt? Dann geht es Ihnen so wie vielen: Die Frage des Schenkens aus freien Stücken lässt sich an einem solchen Tag schwer klären. Deswegen ist es nicht einfach, am vermeintlichen „Tag der Liebe“ etwas richtig zu machen und die ohnehin hohen Erwartungen zu erfüllen oder gar zu übertreffen.

Restaurants sind ausgebucht
Ein anderes Risiko geht mit dem öffentlichen Zelebrieren des Valentintages einher. Restaurants sind schon Wochen im Voraus für den 14. Februar ausgebucht, Wellness-Landschaften bieten spezielle Arrangements zum Valentinstag an und vieles mehr. Sieht man plötzlich überall verliebte Paare in der Öffentlichkeit, kann das den Anschein erwecken, dass bei den anderen alles ganz toll läuft. Augenscheinlich ist es ja auch so an diesem Tag. Die Schwierigkeiten der eigenen Beziehung kennt man natürlich, die der anderen aber nicht. Aus dieser Perspektive entsteht ein verzerrter Vergleich und man schließt, dass die eigene Beziehung schlechter als die der Anderen ist. Das macht unzufrieden und man ist eher bereit, die Beziehung zu beenden.

Beziehung ins Bewusstsein rücken
Eine weitere Begleiterscheinung des 14. Februars ist, dass dieser unsere Beziehung stärker in unser Bewusstsein rückt. In Anbetracht des großen Spektakels um den Valentinstag ist es schon schwierig, in dieser Zeit nicht an die eigene Partnerschaft zu denken. Je häufiger und gründlicher man über etwas nachdenkt, desto stärker werden nicht nur die positiven Seiten, sondern auch die Schattenseiten bewusst. Das führt dazu, dass Unzulänglichkeiten und Probleme der Beziehung klarer werden, womit die Unzufriedenheit steigen kann und damit auch das Trennungsrisiko. Dementsprechend werden vor allem solche Beziehungen nach dem Valentinstag beendet, die sich schon vorher in eine negative Richtung entwickelt haben.

Schutz vor dem „Valentins-Effekt“
Ein Ratschlag, den ich Ihnen vor diesem Hintergrund geben kann: Feiern Sie nicht einmal im Jahr Valentinstag, sondern zelebrieren Sie regelmäßig, etwa einmal im Monat, Ihren individuellen „Tag der Liebe“. Sie schützen Ihre Beziehung dadurch gleich dreifach vor dem Valentinstag-Effekt. Erstens entwickeln Sie vermutlich nicht so hohe Erwartungen an Geschenke und Überraschungen und sind dadurch wirklich überrascht, wenn sie etwas bekommen; zweitens werden Sie nicht mit öffentlichen Valentinstag-Zeremonien konfrontiert, bei denen die Beziehungen der Anderen so perfekt erscheinen und Ihre eigene womöglich in den Schatten stellen; und letztlich denken Sie dadurch regelmäßiger über Ihre Beziehung nach und über die Richtung, in die sie sich entwickelt. So können Sie schon bei kleinen Anzeichen einer negativen Entwicklung gegensteuern. Regelmäßige Inspektionen in kürzeren Abständen beugen nicht nur bei Autos sondern auch bei Beziehungen größeren Schäden vor.

Wenn dann doch nichts mehr zu retten ist und es zum Schlussmachen kommt gibt es verschiedene Wege sich zu trennen. Okay, kein Weg ist wirklich gut, da immer einer verletzt wird. Trotzdem gibt charmante und weniger charmante Arten einer Trennung. Wie würden Sie zum Beispiel reagieren wenn sie nicht von ihrem Freund abserviert werden, sondern die Mutter des „Ex“-Freundes mit Ihnen Schluss macht? NEU.DE hat kuriose Geschichten über Trennungen für Sie zusammengetragen.