Romantische Männer und realistische Frauen?

Mein Name ist Manfred Hassebrauck. Ich bin Professor für Sozialpsychologie und berate LoveScout24 bei der Weiterentwicklung ihres Angebots. Einmal im Monat berichte ich Ihnen in meiner Kolumne direkt zum Thema Paarbeziehungen.

Mein Name ist Manfred Hassebrauck. Ich bin Professor für Sozialpsychologie an der Bergischen Universität Wuppertal und berate LoveScout24 bei der Weiterentwicklung des hochwertigen Angebots. Einmal im Monat berichte ich Ihnen in meiner Kolumne direkt über meine Forschungen zum Thema Paarbeziehungen. Spannend, verständlich und anwendbar. Diesen Monat habe ich mich mit dieser Frage beschäftigt: „Romantische Männer und realistische Frauen?“

Frauen können nicht einparken – und Männer nicht zuhören. Die Regale in den Buchhandlungen sind voll mit Büchern über den kleinen Unterschied, den sie zu einem großen aufbauschen. Wenn man sich, wie ich, beruflich und wissenschaftlich mit Beziehungen befasst, wird man zwangsläufig mit der Frage konfrontiert, ob „Frauen von der Venus und Männer vom Mars“ sind, wie es in zahlreichen Büchern über Geschlechtsunterschiede im Beziehungskontext behauptet wird. Die seriöse Antwort auf solche Fragen hängt zunächst von der Perspektive des Forschers ab. Je nach Blickwinkel kann man den Schwerpunkt auf Gemeinsamkeiten lenken oder eben auch auf Unterschiede, und das gilt generell für die Frage nach Geschlechtsunterschieden, nicht nur im Kontext von Beziehungen.

Männer suchen „Schönheit“ – Frauen suchen „Sicherheit“
Schon wenn es um die Wahl eines Beziehungspartners geht, stellen wir fest, dass beide Geschlechter humorvolle, ehrliche, verlässliche und rücksichtsvolle Partnerinnen und Partner wünschen. Neben diesen Gemeinsamkeiten in den Wünschen gibt es aber ebenso Unterschiede. Männer achten – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit – mehr auf das Aussehen ihrer Partnerinnen als Frauen das im Hinblick auf Männer tun. Umgekehrt legen Frauen bei der Partnerwahl mehr Wert auf hohes Einkommen, Status und gute finanzielle Aussichten als Männer. Deswegen sind für Frauen Eigenschaften wie Karriereorientierung und Zielstrebigkeit wichtiger als für Männer. Dieses Wissen kann genutzt werden, wenn Frauen und Männer ihre Vorzüge auf dem „Partnermarkt“ – z.B. beim Online-Dating – anpreisen möchten. Wenn Sie über Merkmale verfügen, die von der „anderen Seite“ begehrt werden, ist es nützlich, mit diesen auch zu werben. Daher sollten Sie weder mit einem guten Job hinter dem Berg halten, noch auf ein ansehnliches Foto verzichten. Denn dadurch könnten Ihnen viele Kontaktmöglichkeiten entgehen.

Vier Säulen für eine glückliche Beziehung

Aber nicht nur bei den Merkmalen, die Mr. und Mrs. Right haben sollte, unterscheiden sich die Geschlechter. Frauen und Männer haben auch teilweise unterschiedliche Vorstellungen, wie denn eine gute Beziehung aussehen soll. In meiner Forschung beschäftige ich mich unter anderem mit der Frage, was in den Augen von Männern und Frauen eine gute Beziehung ausmacht. Die gute Nachricht vorweg: Im Großen und Ganzen stimmen Personen bezüglich der Qualität einer Paarbeziehung überein. Die Gefahr, auf jemanden zu stoßen, dessen oder deren Vorstellung über die ideale Beziehung von der eigenen völlig abweicht, ist eher niedrig. Aber trotzdem – auch hier können wir systematische Unterschiede zwischen den Geschlechtern beobachten. Knapp auf das Wesentliche reduziert steht eine zufriedenstellende Beziehung auf vier Säulen: emotionale Nähe, Übereinstimmung, Unabhängigkeit und Sex. Übereinstimmung bedeutet, sich in wesentlichen Einstellungen und Interessen ähnlich zu sein. Dies und emotionale Nähe sind die wichtigsten Komponenten, sie sind Männern wie Frauen gleichermaßen wichtig. Unabhängigkeit, also auch Lebensbereiche zu haben, die den Partner nicht einschließen, ist Frauen wichtiger als Männern. Sex hingegen, kaum verwunderlich, ist Männern wichtiger als Frauen. Dieses Muster habe ich inzwischen weltweit replizieren können. In so unterschiedlichen Länden wie Brasilien, Spanien, der Türkei, Ungarn, Australien, Kanada (um nur einige zu nennen) können diese Unterschiede beobachtet werden.

Fragen über Fragen
Die Verarbeitung von Beziehungsinformationen ist ein hoch komplexer Vorgang, gilt es doch, Dutzende von Hinweisen auf interessierende Fragen (Ist er treu? Unterstützt er mich, wenn ich ihn brauche? Hat er Humor? Haben wir gemeinsame Interessen? Kann er mir zuhören? usw.) gleichzeitig zu berücksichtigen. Vom Ergebnis dieser Bewertung hängt es letztlich ab, wie zufrieden man mit der eigenen Beziehung ist und ggf. auch die Entscheidung, eine Beziehung beizubehalten oder zu beenden.

Frauen als „Beziehungsbarometer“

Was ich immer wieder feststelle ist, dass Frauen Informationen über ihre Beziehungen genauer verarbeiten. Wir können beispielsweise auf der Grundlage der Einschätzungen von Frauen viel besser vorhersagen, ob eine Beziehung halten wird als auf der Grundlage der Einschätzungen von Männern. Der Fall, dass ein Mann nach Hause kommt und überrascht seine Wohnung leer vorfindet, weil seine Frau inzwischen ausgezogen ist, scheint so unplausibel nicht zu sein. Oftmals entgeht Männern, dass eine Beziehung schon über längere Zeit einen ungünstigen Verlauf nimmt. In der Forschung spricht man daher manchmal auch etwas salopp von Frauen als den besseren „Barometern“ der Beziehungsentwicklung.

Ein gemeinsamer Kern von Beziehungsmerkmalen
Die Überschrift „Romantische Männer und realistische Frauen?“ hat Sie vielleicht zunächst überrascht, aber sie hat durchaus einen wahren Kern. Bei all den hier berichteten Unterschieden darf allerdings nicht übersehen werden, dass es auch einen großen, Männern und Frauen gleichermaßen wichtigen, gemeinsamen Kern von Beziehungsmerkmalen gibt. Männer und Frauen leben eben nicht auf Mars und Venus, wie es die populäre Beziehungsliteratur verkündet. Sie leben vielmehr auf demselben Planeten, wenn auch teilweise an unterschiedlichen Orten.