Beziehungen tun gut

Mein Name ist Manfred Hassebrauck. Ich bin Professor für Sozialpsychologie und berate LoveScout24 bei der Weiterentwicklung ihres Angebots. Einmal im Monat berichte ich Ihnen in meiner Kolumne direkt zum Thema Paarbeziehungen.

Mein Name ist Manfred Hassebrauck. Ich bin Professor für Sozialpsychologie an der Bergischen Universität Wuppertal und berate LoveScout24 bei der weiteren Entwicklung des hochwertigen Angebots. Einmal im Monat berichte ich Ihnen in meiner Kolumne direkt über meine Forschungen zum Thema Paarbeziehungen. Spannend, verständlich und anwendbar. Diesen Monat habe ich mich mit diesem Thema beschäftigt: „Beziehungen tun gut.“

Sarah hatte eine anstrengende Woche hinter sich, als sie am Freitagabend am Flughafen ankam. „Schön wäre es, wenn mich jetzt jemand abholen würde“, dachte sie und blickte mit einer Mischung aus Neid und Wehmut dem netten Typ hinterher, der im Flieger neben ihr saß und jetzt Händchen haltend mit seiner Freundin zum Ausgang ging. „Na ja, erst mal nach Hause, dann ein warmes Bad und ein Gläschen Prosecco, und dann kann das Wochenende anfangen“, dachte sich Sarah zum Trost. Mitten in der Nacht wachte sie auf – starke Halsschmerzen. „Auch das noch. Das wird ja ein schönes Wochenende. Im letzten Jahr war ich nicht ein einziges Mal erkältet. Letztes Jahr – da war ich noch mit Paul zusammen. Aber das hat ja nichts miteinander zu tun“, denkt sie bei sich.

Die Forschung bestätigt
Bis in die Mitte der 1970er Jahre dachte man in wissenschaftlichen Kreisen ähnlich – körperliche Erkrankungen wurden als weitgehend unabhängig vom psychischen Zustand betrachtet, bis neue Forschungsrichtungen wie die Psychoneuroimmunologie das Gegenteil gezeigt haben.

Gesellschaft fördert das Wohlbefinden
Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass unser Wohlbefinden – das psychische wie das physische – ganz entscheidend davon abhängt, ob wir Gesellschaft haben oder nicht. Allein zu sein macht die meisten Menschen unglücklich, im Extremfall sogar krank. Das unangenehme Gefühl der Einsamkeit, welches das Alleinsein oft mit sich bringt, treibt uns an, Gesellschaft zu suchen. Ist Gesellschaft an sich schon förderlich für unser Wohlbefinden, ist es eine Liebesbeziehung erst recht.

Liebe dient als Stress-Puffer
Allein die Tatsache, ob wir eine feste Beziehung haben oder nicht, wirkt sich auf unsere körperliche Gesundheit aus. Verheiratete sind deutlich gesünder als Unverheiratete oder gar Geschiedene. Bei Krankheit erholen sie sich schneller und werden früher aus dem Krankenhaus entlassen. Der wesentliche Grund dafür ist, dass uns glückliche Liebesbeziehungen helfen, besser mit Stressfaktoren umzugehen. Sie stellen gewissermaßen einen Stress-Puffer dar und verhindern damit die negativen Konsequenzen, die mit Stress einhergehen. Stress ist die Reaktion des Körpers, gewissermaßen die Alarmbereitschaft, in Erwartung einer bedrohlichen Situation. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Kampf- oder Flucht-Reaktion. Diese Notfallreaktion führt zu erhöhten Blutdruck und schnellerem Herzschlag. Hormone wie Adrenalin und Kortisol werden vermehrt ausgeschüttet, und gleichzeitig werden vom Immunsystem Zellen in geringerer Zahl produziert, die Bakterien, Viren, Pilze und andere Schädlinge töten. All diese körperlichen Veränderungen, die wir subjektiv als Herzklopfen, einen heißen Kopf, feuchte Hände oder auch als ein komisches Gefühl im Bauch empfinden, dienen der Mobilisierung von Energiereserven und helfen uns, auf eine Gefahr zu reagieren. Denn der menschliche Organismus ist darauf ausgerichtet, schnell und kurzfristig auf eine überraschende, gefahrenvolle Situation reagieren zu können – ein Erbe unserer Ahnen, mussten sie doch in grauer Vorzeit in der Lage sein, in Windeseile einem angreifenden Raubtier zu entkommen.

Allerdings bleiben Stressreaktionen auf Dauer nur unschädlich, wenn man auf diese angemessen reagieren kann. Dies ist in der heutigen Zeit nicht immer möglich. Hält Stress zu lange an, z.B. bei Menschen mit permanentem Zeitdruck, geht dies an die körperliche Substanz. Das Immunsystem wird geschwächt, und dadurch sind wir anfälliger für die unterschiedlichsten Infektionskrankheiten.

Verheiratete leben gesünder

Beziehungen können die negativen Effekte von Stress nicht verhindern, jedoch wirken gute Beziehungen als „Stress-Puffer“ vorbeugend und stabilisieren nach anstrengenden Tagesereignissen. Soziale Unterstützung von nahe stehenden Personen hilft, mit schwierigen Erlebnissen besser fertig zu werden. Nach neuesten Erkenntnissen wirkt sich eine gute Beziehung sogar auf die Heilungschancen nach einer Brustkrebsoperation aus. Besonders deutlich wird dies beim so genannten Verwitwungseffekt. Bei lang zusammenlebenden Paaren folgt der Überlebende recht bald, wenn einer von beiden stirbt. Ein amerikanisches Magazin veröffentlichte vor Jahren unter der Überschrift „Heirate!“ eine Studie von Lebensversicherungsunternehmen, nach der die Wahrscheinlichkeit, an Lungenkrebs oder Schlaganfall zu sterben, für Geschiedene unter 65 Jahren doppelt so groß wie für Verheiratete war.

Es gibt kaum einen Bereich des Lebens, der unsere Zufriedenheit und unser Wohlbefinden so stark beeinflusst wie eine glückliche Beziehung. Und offenbar fühlen wir uns in einer glücklichen Liebesbeziehung nicht nur gut, sie tut uns auch im wahrsten Sinne des Wortes gut.