Wenn die Leidenschaft nachlässt…

Mein Name ist Manfred Hassebrauck. Ich bin Professor für Sozialpsychologie und berate LoveScout24 bei der Weiterentwicklung ihres Angebots. Einmal im Monat berichte ich Ihnen in meiner Kolumne direkt zum Thema Paarbeziehungen.

Mein Name ist Manfred Hassebrauck. Ich bin Professor für Sozialpsychologie an der Bergischen Universität Wuppertal und berate LoveScout24 bei der Weiterentwicklung des hochwertigen Angebots. Einmal im Monat berichte ich Ihnen in meiner Kolumne direkt über meine Forschungen zum Thema Paarbeziehungen. Spannend, verständlich und anwendbar. Diesen Monat habe ich mich mit diesem Thema beschäftigt: „Wenn die Leidenschaft nachlässt…“

Früher war alles besser
Wer von uns hat nicht schon einmal sehnsüchtig an Zeiten zurückgedacht, in denen es in der Beziehung mehr kribbelte und knisterte, in denen es mehr Leidenschaft gab. Beziehungen scheinen einen typischen Verlauf zu haben: Man wird zwar immer vertrauter, aber Leidenschaft und Sehnsucht lassen mit der Zeit immer mehr nach. Das führt oftmals zu der Befürchtung, mit der eigenen Beziehung stimme irgendetwas nicht mehr. Man fängt an zu zweifeln, stellt den Partner infrage, spielt mit Trennungsgedanken und wird anfälliger für Seitensprünge. Wenn es dann tatsächlich zur Trennung kommt, wird uns oft erst im nach hinein die Bedeutung unserer Beziehung klar – trotz der Tatsache, dass der Sex in letzter Zeit nicht mehr so aufregend war.

Die Chemie der Liebe
Wie kommt es zu diesem nahezu unvermeidlichen Nachlassen der Leidenschaft in einer Beziehung? Wissenschaftler liefern hierzu Erklärungen auf verschiedenen Ebenen. Betrachten wir einmal die Chemie der Liebe. In der Verliebtheitsphase wird das Gehirn regelrecht geflutet von so genannten „Glücksbotenstoffen“, welche in ihrer Wirkung den Morphinen ähnlich sind. Aber sie wirken eben auch im Negativen teils wie ihre gefährlichen Pendants, sie machen süchtig, führen langfristig zur Gewöhnung und verlieren damit an Wirkung.

Intimität & Leidenschaft im psychologischen Kontext
Roy Baumeister und Ellen Bratslavsky, zwei amerikanische Psychologen, haben eine andere interessante Erklärung dafür geliefert, weshalb das spannendste aller Gefühle mit der Zeit nachlässt. Unter Beobachtung des typischen Verlaufs von Beziehungen haben die Wissenschaftler zwei Komponenten genauer unter die Lupe genommen: Intimität und Leidenschaft. Intimität beschreibt die emotionale Nähe zum Partner, die Kenntnis des anderen, die Sicherheit und das Vertrauen, welches ich in den Partner setze. Leidenschaft kennzeichnet den intensiven emotionalen Zustand und die starke Anziehungskraft, und sie umfasst den sexuellen Aspekt, den Zustand höchster physiologischer Erregung in Anwesenheit des anderen. Was die Forscher feststellen, ist so einfach wie überzeugend und lässt sich folgendermaßen schildern:

Leidenschaft hängt von der Zunahme der Intimität ab
Die Intimität nimmt in den ersten Monaten einer neuen Beziehung relativ schnell zu. In einer Phase, in der man einander kennen lernt, sind viele Dinge noch unbekannt, und es werden täglich neue Rätsel gelöst. Man fängt bei 0 an, vom ersten Blickkontakt bis zum ersten Kuss ist es schon ein großer Schritt, vom ersten Kuss bis zur ersten gemeinsamen Nacht ebenfalls. Anfangs lernen wir unseren Partner mit rasanter Geschwindigkeit mehr und mehr kennen, erfahren, wie er oder sie riecht, schmeckt, entdecken seine oder ihre Vorlieben und Abneigungen und vieles mehr. All dies bedeutet einen großen Zuwachs an Intimität innerhalb kürzester Zeit. In dieser Phase ist die Leidenschaft extrem. Wir sind im emotionalen Ausnahmezustand, in Gedanken nahezu unentwegt beim anderen, und Sex findet bei jeder Gelegenheit statt. Ein großer Zuwachs an Nähe, Vertrautheit und Intimität geht offensichtlich mit einem hohen Maß an Leidenschaft einher. Das Problem ist nur, dass Intimität nicht beliebig zunehmen kann. Irgendwann kennen wir den Partner so gut wie keinen anderen, wissen oft schon im Voraus, wie er in Situationen reagieren wird. Wenn ein Paar ein hohes Maß an Intimität erreicht hat, wird es eher schwierig, Leidenschaft aufrecht zu erhalten. Denn wenn nach Baumeister‘s und Bratslavsky‘s Theorie die Leidenschaft von der Zunahme der Intimität abhängt, ist sie zwangsläufig niedrig, wenn die Intimität nicht mehr steigen kann.

Wechselseitige Abhängigkeit
Diese wechselseitige Abhängigkeit von Leidenschaft und Intimität erklärt auch sehr gut, wieso bei Paaren nach einer Krise, einer Trennung auf Probe oder einfach nur nach einem heftigen Streit oft wieder die Lust aufeinander steigt. Die Intimität sinkt in Zeiten von Problemen und Krisen auf ein relativ niedriges Niveau. Bei Versöhnung kommt es zu einem Neu-Anstieg der Intimität, und damit verbunden zum Wiederaufleben leidenschaftlicher Gefühle. Natürlich nur, wenn die Beziehung durch die Krise keinen unüberwindlichen Schaden angenommen hat.

Kann man etwas gegen die Abnahme der Leidenschaft tun?

Mein Freund und Kollege Art Aron von der State University of New York hat eine interessante „Therapie“ entwickelt. Er meint, wenn Paare neue, bislang unbekannte Tätigkeiten, die zugleich mit körperlicher Erregung verbunden sind, gemeinsam ausführen, erhöhe das die Leidenschaft in einer Beziehung. In einer seiner Studien versuchten Paare, die mit den Händen aneinander gefesselt waren, einen Ball über eine Barriere werfen – eine Tätigkeit, die die Leute vorher noch nie gemacht hatten – und körperlich anstrengend war es auch. Nach einer Reihe von solch ungewohnten Aktivitäten funkte es wieder mehr und die Paare waren insgesamt zufriedener mit ihrer Beziehung.

Gemeinsam auf zu neuen „Pfaden“
Nun müssen Sie Ihren Partner nicht gleich fesseln, um wieder etwas mehr Schwung in Ihre Beziehung zu bringen. Machen Sie einfach etwas, was Sie noch nie gemacht haben und achten Sie darauf, dass dabei auch körperliche Erregung entsteht. Ein Abendessen in einem völlig dunklen Zimmer eignet sich genau so gut wie ein Spaziergang auf einem Baumgipfelpfad. Ihrer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Probieren Sie es einfach aus.