Wenn Eltern sich neu verlieben

In 729 Tausend von 8,1 Millionen Familienhaushalten leben mittlerweile Patchwork-Familien. Wie gelingt die Zusammenführung und was muss man beachten, damit aus neuem Partner, Vater, Mutter und Kind ein Team wird.

Was früher im Märchen das personifizierte Böse war, hat heute eine freundlichere Bezeichnung bekommen: Aus „Stiefeltern“ sind „Patchwork-Mamas“ und „Patchwork-Papas“ geworden. Doch das neu gemixte Familienglück fällt nicht vom Himmel. Denn seinen Kindern einen neuen Partner vorzustellen, ist ein heikles Unterfangen. Geduld und ganz viel Fingerspitzengefühl sind gefragt.

Liebesglück und Kindeswohl passen zusammen

Viele alleinerziehende Mütter und Väter glauben, zum Wohl ihrer Kinder auf einen neuen Partner verzichten zu müssen. Es ist natürlich richtig, dass Kinder sichere und konstante Lebensumstände brauchen, aber genauso müssen sie lernen, dass beide Elternteile auch nach der Trennung ein Recht auf einen festen Partner haben. „Ist die neue Partnerschaft erprobt und gefestigt, spricht nichts dagegen, dass der neue Partner den Kindern vorgestellt wird“, sagt Fritz Propach, Diplom-Psychologe und Gründer der Online-Plattform therapie.de.

Eine Frage der Kommunikation und Geduld

Eine Zusammenführung von Partner und Kind braucht vor allem Zeit, damit sich alle aneinander gewöhnen können. Der Familien-Wegweiser des Bundesministeriums für Familie beispielsweise rät, dass der leibliche Elternteil ungestörte Eltern-Kind-Zeiten einrichten sollte, in denen die neue Situation altersgerecht erklärt wird und in denen offen über Probleme, Sorgen und Ängste gesprochen werden kann. Psychologe Propach ermutigt: „Sobald sich dann alle einigermaßen wohl in der Situation fühlen, spricht nichts dagegen, dass der neue Partner ganz selbstverständlich übernachtet und am normalen Familienleben teilnimmt.“

Mit Optimismus mehr erreichen

Der dänische Autor und Familientherapeut Jesper Juul plädiert in seinem Buch „Aus Stiefeltern werden Bonuseltern“ für die in Skandinavien schon länger gängige Umbenennung der beteiligten Personen. Während dem Präfix „Stief-“ immer ein Hauch des Bösen anhaftet, gibt der Begriff „Bonuseltern“ eine konstruktive Richtung vor. So wird klar, dass der neue Partner kein Elternersatz, sondern ein Zusatz ist und auch bleiben soll. Voraussetzung dafür ist, dass die Bonusväter und -mütter ihre Rolle auch als solche verstehen und sich bei grundsätzlichen Entscheidungen zurücknehmen.

Mit Offenheit, Zeit und Geduld wird aus anfänglicher Skepsis Sympathie und die zuvor geleistete Beziehungsarbeit wird mit einem guten freundschaftlichen Verhältnis aller Familienmitglieder belohnt.

Kleine Kniffe, große Wirkung. So gelingt das erste Treffen:

  • Wählen Sie eine Aktivität auf neutralem Boden, die allen Spaß macht.
  • Stellen Sie Ihren neuen Partner zunächst nur als Freund oder Freundin vor.
  • Zwei bis maximal drei gemeinsame Stunden sind optimal für den Anfang.
  • Loben Sie Ihre Kinder hin und wieder, während der neue Partner dabei ist.
  • Kinder möchten nicht von Fremden berührt werden, Tätscheln ist also tabu.
  • Seien Sie zurückhaltend, lassen Sie das Kind die Annäherung bestimmen.
  • Anfängliche Skepsis ist eine normale Reaktion, die Sie nicht beunruhigen muss.

 

Hier gibt’s Hilfe und kostenlose Beratung:
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