Sind Geheimnisse in der Liebe erlaubt?

Manche Menschen möchten einfach alles mit ihrem Partner teilen. Andere genießen auch in einer Partnerschaft ihre kleinen Geheimnisse. Zwei unserer Autoren stellen sich die Frage: Wieviel Privatsphäre braucht eine Beziehung?

Ein Thema – zwei Meinungen: Beziehungen sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie führen. Gibt es dennoch ein Patentrezept für eine erfolgreiche, langlebige und spannende Partnerschaft und welche Rolle spielt dabei das Maß der Dinge? Wir fragen uns deshalb nicht: Was ist gut für eine Beziehung? Sondern: Wie viel davon ist gut für eine Beziehung? Die LoveScout24-Redaktion bekennt Farbe!

Tobias Schickhaus, Werkstudent Redaktion: „Jeder braucht seine eigene Privatsphäre.“

„Wir haben nichts voreinander zu verbergen“ – so lautet wohl das Motto in vielen Beziehungen. Ich sage: In einer Beziehung braucht jeder seine eigene Privatsphäre. Ob das jetzt das Tagebuch, das eigene Zimmer oder der Das-ist-mein-Sonntag ist. Es steht schon für eine gewisse Abhängigkeit, wenn Mann und Frau nur noch im gemeinsamen Partnerlook ausgehen, bei einer Frage immer in Stereo antworten oder sogar die Gedanken des anderen lesen können. Denn der Schritt von inniger Vertrautheit zum Kontrollwahn kann schnell passieren: Wenn man keine Geheimnisse voreinander hat, kann man ja auch gleich die Post des Partners öffnen, seine Handykontakte überprüfen oder einen Privatdetektiv auf ihn ansetzen. Ich finde es also vollkommen ok, etwas über meine Freundin nicht zu wissen.

 

Elisabeth Maugsch, Online-Redakteurin: „Geheimniskrämerei gehört nicht in eine Beziehung.“

In meinem Schrank steht ein Paar Schuhe, von denen mein Freund denkt, sie seien ein Schlussverkaufs-Schnäppchen. Dass es sich dabei tatsächlich um eine ziemlich unvernünftige Neuanschaffung handelt, ist aktuell das größte Geheimnis, das ich vor ihm habe. Und das finde ich auch ganz gut so. Eigene Hobbys, Abende mit den Mädels – das gehört natürlich auch in einer Beziehung dazu. Doch wo liegt die Grenze zwischen Privatsphäre und Ausgrenzung des anderen? Läuft nicht irgendetwas schief, wenn ich wichtige Probleme und Sorgen lieber meinem Tagebuch als dem Mann an meiner Seite anvertraue? Für mich steht fest: Mein Partner dürfte jedezeit mein Handy durchsuchen, meine E-Mails lesen, in meinem Tagebuch schmökern. Er tut es aber nicht. Weil er es nicht muss. Denn alles, was er darin entdecken könnte, habe ich ihm schon längst erzählt. Also, außer dieser Sache mit den Schuhen.