Let’s talk about Sex?

Im Freundeskreis sind die Gesprächsthemen unerschöpflich! Gilt das aber auch für Liebe und Sex? Wie offen plaudern Sie über die wirklich pikanten Themen? In einer Umfrage wollten wir es genauer wissen. Hier sind die Ergebnisse ...

Je besser die Freunde, desto freizügiger die Themen, über die man mit ihnen spricht. Doch wo ist die Grenze? Gibt es Dinge, die auch im Freundeskreis tabu sind? Mein Name ist Manfred Hassebrauck. Ich bin Professor für Sozialpsychologie an der Bergischen Universität Wuppertal und berate LoveScout24 bei der Weiterentwicklung des hochwertigen Angebots. In meiner Kolumne berichte ich direkt über meine Forschungen zum Thema Paarbeziehungen. Spannend, verständlich und anwendbar.

Welche pikanten Geheimnisse teilen Frauen mit ihrer besten Freundin? Und was ist in Männerrunden wirklich Gesprächsthema Nummer eins? In einer Umfrage unter den LoveScout24-Mitgliedern wollten wir wissen, wie offen diese im Freundeskreis über Sex plaudern. Und bekamen zum Teil überraschende Ergebnisse!

Studie: Was ist Sex
“Ich hatte keine sexuellen Beziehungen mit dieser Frau, Miss Lewinsky” (Übersetzung von mir). Diese Aussage des ehemaligen Präsidenten der USA, Bill Clinton, am 26. Januar 1998 anlässlich einer Pressekonferenz des Weißen Hauses führte nicht nur zum zweiten Amtsenthebungsverfahren eines Präsidenten in der amerikanischen Geschichte, sondern zeigt auch, dass Menschen durchaus sehr unterschiedliche Vorstellungen haben, was letztlich Sex ist. Die Wissenschaft hat diese Frage, vielleicht weil die Antwort anscheinend so nahe liegt, bislang vernachlässigt. Wir (d.h. meine Wuppertaler Mitarbeiter und ich) haben daher mehrere Hundert Männer und Frauen gefragt, was denn für sie Sex ist.

Sex hat viele Merkmale

Sex ist mehr als „vaginale Penetration“, wie es medizinisch heißt. Die Teilnehmer unserer Studien nannten 80 verschiedene Merkmale, die alle zum Sex gehören. Das sind zunächst natürlich einmal die körperlichen und physiologischen Aspekte des Sex wie Erregung, Leidenschaft, Begierde oder Lust; das sind aber auch beziehungsbezogene Merkmale wie Bindung, Liebe, Treue, Vertrauen.

Frauen sprechen offener über Sex
Das weibliche Geschlecht scheint – zumindest wenn es um Sex geht – deutlich offener zu sein. Mehr als 82 Prozent der Voting-Teilnehmerinnen gaben an, dass sie im Freundeskreis über Sex sprechen. 25 Prozent reden dabei in Gesprächsrunden völlig offen über ihre intimen Erlebnisse und Erfahrungen. Knapp 58 Prozent hingegen diskutieren das Thema ausschließlich mit der besten Freundin. 8 Prozent der Frauen sprechen im Freundeskreis zwar über Liebesdinge, nicht aber über Sex. Für weitere 8 Prozent sind beide Gesprächsthemen unter Freunden absolut tabu.

Männer bei Sex-Themen eher zurückhaltend
Zurückhaltung scheint eigentlich nicht die erste Tugend der Männer zu sein. Wenn es darum geht, im Freundeskreis über Sex und Liebe zu sprechen, aber wohl schon. Denn insgesamt nur 61 Prozent der Voting-Teilnehmer, und damit deutlich weniger als bei den Frauen, erzählen Freunden das, was sie in der Nacht zuvor erlebt haben. Auch Männer öffnen sich dabei mit 38 Prozent eher dem besten Freund als einer größeren Gesprächsrunde. Lediglich 22 Prozent der Befragten gaben an, auch mit anderen Bekannten offen über Intimes zu reden. Weitere 24 Prozent wollen nur über Liebe, nicht aber über Sex sprechen. Für 14 Prozent der Männer sind Liebe und Sex insgesamt zu persönliche Dinge, um diese in einem Gespräch zu erörtern.

Vertrauensperson beste/r Freund/in
Eine besondere Rolle spielt bei so persönlichen Diskussionsthemen natürlich die beste Freund bzw. der beste Freund. Begleitet sie/er einen doch eigentlich durch alle Höhen und Tiefen. Besonders die Frauen nehmen den Rat der besten Freundin wohl oftmals gerne an und schütten ihr auch das Herz über Sexthemen aus.

Thema für Jung und Alt
Deutlich wird übrigens auch, dass über Liebe und Sex in allen Generationen geredet wird. Über zwei Drittel der Voting-Teilnehmer sprechen im Freundeskreis oder zumindest mit dem besten Freund über Liebe und Sex – und das über alle Generationen hinweg. Sex bleibt also der Dauerbrenner unter den Gesprächsthemen – und das bei Jung und Alt.

Frauen haben ein vielschichtigeres Verständnis von Sex
Frauen haben – wie wir feststellen konnten – ein insgesamt breiteres und vielschichtigeres Verständnis von Sex als Männer. Das äußert sich schon darin, dass sie insgesamt mehr Aspekte mit Sex verbinden. Das zeigt sich aber auch darin, dass bei Frauen beziehungsbezogene Aspekte viel enger mit Sex verknüpft sind als bei Männern. Die betonen nämlich primär die körperlichen und physiologischen Aspekte.



Männer würden gerne schnell zur Sache kommen

Erklären kann man das, indem man die Bedeutung des Sex für unsere menschliche Spezies und vor allem die unterschiedlichen Konsequenzen des Sex für Männer und Frauen betrachtet. Biologisch dient Sex der Fortpflanzung, und damit wir das auch tun, hat die Natur es so eingerichtet, dass uns Sex Spaß macht. Die möglichen Konsequenzen des Sex sind aber für Frauen erheblich höher als für Männer – angefangen z.B. bei der Schwangerschaft oder die oftmals schmerzhafte und nicht ganz ungefährliche Geburt. Zusammenfassend spricht die Forschung davon, dass die elterlichen Investitionen der Frauen größer sind: Deswegen möchten Frauen einen Mann, mit dem sie ins Bett gehen, meistens auch länger kennen. Männer hingehen würden gern sehr schnell zur Sache kommen. Vermutlich ist deswegen für Frauen Sex auch stärker mit Beziehungsaspekten gekoppelt. Sex ohne Beziehung war für sie – zumindest in unserer evolutionären Vergangenheit – zu riskant. Zu dieser Argumentation passt auch, dass die emotionale Bindung einer Frau an ihren Partner nach dem ersten Sex mit ihm steigt. Männer distanzieren sich emotional nach dem ersten Mal eher etwas.

Männer denken öfter an Sex
Für Männer ist erfolgreiche Fortpflanzung theoretisch Sex, nichts darüber hinaus. Sie denken daher auch erheblich häufiger an Sex als Frauen. Die Zahlen schwanken zwischen „alle 7 Sekunden“ und „8 mal am Tag“. Sie hätten auch gern mehr Sexualpartnerinnen als Frauen, wenn sie denn so könnten, wie sie wollten. Und wenn man sie fragt, dann übertreiben sie bei der Zahl ihrer Sexualpartnerinnen maßlos. In Umfragen stellt man immer wieder fest, dass die Zahl der von Männern genannten Sexualpartnerinnen erheblich höher ist als die Zahl der Sexualpartner, die Frauen angeben. Das kann nicht sein, gehören doch zum Sex immer zwei. Wir stellen oft fest, dass Männer großzügig aufrunden, aus 6 werden 10, aus 12 schnell 20. Sie geben dabei oft solche runden Zahlen an. Das klingt wenig glaubwürdig.

Bill Clinton steht nicht alleine da
Ich weiß zwar nicht, wie viele Sexualpartnerinnen Bill Clinton nennen würde, aber eines kann ich vor dem Hintergrund unserer Forschung sagen. Mit seiner eingeschränkten Definition von Sex steht er nicht allein da. In unseren Studien rangierte Oralsex im letzten Drittel der genannten Merkmale.

(1) AntonioGuillem/iStock/Getty Images Plus, (2) nd3000/iStock/Getty Images Plus, (3) kicsiicsi/iStock/Getty Images Plus