Glückwunsch, es ist Liebe

Sind die Schmetterlinge davongeflattert, entdecken wir plötzlich, dass auch der Traumpartner nur ein Mensch ist. Denn verliebt haben wir uns in eine Fantasie, gespeist aus Hollywood-Kitsch und Kindheitsträumen. Ist diese Einsicht ein Drama? Im Gegenteil ...

Sind die Schmetterlinge davongeflattert, entdecken wir plötzlich, dass auch der Traumpartner nur ein Mensch ist. Denn viele verlieben sich häufig in eine Art Fantasie, zusammengebastelt aus Hollywood-Kitsch und Kindheitsträumen. Ist diese Einsicht ein Drama? Ganz im Gegenteil.

Denn jetzt wird es erst spannend. Ist der Höhenrausch abgeklungen, bekommen wir die Chance, den echten Menschen ohne Hormonüberdosis zu entdecken.

Wildfremde werden verrückt nacheinander

Sobald die Sonne scheint, kriechen sie aus ihren Löchern, die Frischverliebten. Der Hormonspiegel in ihrem Blut macht sie high, süchtig, energiegeladen und sorgt dafür, dass eigentlich Wildfremde plötzlich verrückt nacheinander sind. Dass dieser Zustand weder alltagstauglich, noch von Dauer sein kann, ist klar.

Zeit für die Realität

Nach ungefähr sechs bis zwölf Monaten normalisiert sich der Hormonpegel wieder. Dann geht es ans Eingemachte. Bei rund 40 Prozent der Paare reicht es dann nicht zur großen Liebe und sie trennen sich, so eine Studie der Universität Wuppertal. Im Fachjargon spricht man von der Differenzierungsphase. Zeit für Realität.

Keinen Übermenschen erwarten

Das klingt nun negativer, als es eigentlich ist. Denn auch wenn man enttäuscht feststellt, dass Prince Charming eine ausgedehnte Alte-Socken-Zucht am Fußboden betreibt und Miss Universe einem Kontrollzwang erlegen ist, so ist nicht der Partner Schuld an der Enttäuschung, sondern wir selbst.

Wie man baut, so wohnt man

„Die Erwartungen, mit denen wir uns in eine Beziehung begeben, sind verklärt und damit unerfüllbar hoch“, weiß der Berliner Psychotherapeut Dr. Wolfgang Krüger. „Während der Differenzierungsphase ändert sich das Lebensgefühl“, erklärt er. „Man schaut genauer hin. In der Phase der Verliebtheit hat man ein Haus gebaut, nun versucht man darin zu wohnen.“

Wegen oder trotz seiner selbst

Eine Beziehung leben heißt Schwächen zeigen zu können, zu sein, wie man ist. Enttäuschungen und Streits inklusive. Dafür bekommen wir ein Gefühl der Sicherheit, des Vertrauens und der Geborgenheit. „Es gibt nichts Schöneres, als geliebt zu werden, geliebt um seiner selbst willen oder vielmehr: trotz seiner selbst“, formulierte es einst der französische Poet Victor Hugo. Recht hat er!