Frisch getrennt: Pausieren oder neu verlieben?

Tipps von Beziehungsexpertin Dr. Katharina Ohana

Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben? Ein Sprichwort, in dem viel Wahrheit steckt. Doch im Idealfall haben wir die alte Beziehung aufgearbeitet. „Wer sich nach einer Trennung unmittelbar in eine neue Partnerschaft stürzt, sollte sicher sein, dass er innerlich schon frei ist und nicht nur seinen Schmerz betäubt oder das angekratzte Selbstwertgefühl aufpoliert“, sagt Dr. Katharina Ohana, Tiefenpsychologin und LoveScout24-Beziehungsexpertin. Geben Sie sich also Zeit. Im ersten Schritt hilft es, zu akzeptieren, dass da jetzt erst einmal eine Lücke bleiben wird.

LoveScout24-Beziehungsexpertin Dr. Katharina Ohana

Schritt für Schritt: Verarbeiten Sie Verletzungen

Trauerprozesse gibt es, seitdem es Menschen gibt. Und natürlich kann man niemandem vorschreiben, wie lange der Prozess zu dauern hat, bis die vergangene Liebe verarbeitet ist. Allerdings sollten wir uns vor Augen führen: Wenn eine intensive Beziehung zerbricht, fühlt sich das für viele wie ein kleiner Tod an: „Mit der Trennung stirbt auch ein kleiner Teil von uns selbst, Gewohnheiten, Hoffnungsbilder, Zukunftspläne. Schließlich hat dieser Mensch unser Leben und den Alltag maßgeblich geprägt. Wir sind nun einmal Bindungswesen. Unser Partner wird ein Teil von uns selbst“, sagt die Beziehungsexpertin. Meist brauchen wir nach einer langen Liebe oder Ehe etwa ein Jahr, um über das Aus hinwegzukommen. ‚Der letzte gemeinsame Sommerurlaub, das letzte Weihnachten ist jetzt genau ein Jahr her’ – solche Gedanken sind vollkommen normal. Man schaut immer wieder zurück. Die Seele muss verarbeiten, dass man jetzt nicht mehr Teil eines Paares ist. Wichtig ist: Machen Sie sich keinen Druck, denn trauern kann man nicht einfach abschalten.

Wichtig: gehen Sie die Partnersuche entspannt an – ohne Druck.

Bleiben Sie bei sich: Beachten Sie Ihre Gefühle

Früher oder später kommt eine Zeit, in der es Ihnen wieder Spaß macht, Leute kennenzulernen und auch zu flirten. „Sobald es intimer wird, merkt man sehr schnell, ob man schon bereit ist, sich wieder auf jemanden einzulassen. „Viele merken im Umgang mit anderen, ob sie dieses ‚Das geht mir alles zu schnell’-Gefühl verspüren‘“, erklärt Dr. Katharina Ohana. Sind die Verletzungen allerdings so groß, dass Sie jedes Vertrauen verloren haben, betrachten Sie Ihre eigenen Erwartungen und Muster genauer.

Hand auf‘s Herz: Warum kam es zur Trennung?

Wer unschön verlassen wurde, hat oft Angst, dass das wieder passieren könnte. Das ist völlig normal – und gleichzeitig die Chance, genauer hinzuschauen. Nur so kann man verhindern, wieder in dieselben Verhaltensmuster und Abhängigkeiten zu tappen. Scheitert bei mir eine Liebe nach der anderen, weil ich mir immer denselben Typ Mann oder Frau suche? Kann ich mich selbst nicht richtig auf den anderen einlassen? Habe ich eindeutige Warnungen des anderen wiederholt ignoriert? Waren meiner Erwartungen zu erdrückend? Wo liegt mein Anteil an der Trennung? „Jetzt kann ein wichtiger Selbstreifeprozess angestoßen werden. Denn das einzige, woraus wir lernen, sind Erfahrungen. Wer die Gründe der Trennung selbstkritisch hinterfragt, wird gestärkt aus ihr herausgehen“, weiß Dr. Ohana. Und in Konsequenz daraus beim nächsten Mal anders an die Partnersuche herangehen. „Wer fügt sich schon mit Absicht dasselbe Leid ein zweites oder drittes Mal zu? Wer genau da hinsieht, wo es wehtut, kommt der Wahrheit meist sehr nah. Und zu dem Schluss: So einen Menschen tue ich mir nicht mehr an“, so die Beziehungsexpertin und Bestsellerautorin (Mr. Right: Von der Kunst den Richtigen zu finden und zu behalten).

Jeder Neuanfang birgt die Chance, aus alten Mustern auszubrechen.

Liebeskummer hat also auch immer gute Seiten: Wir lernen aus ihm, er markiert einen Neuanfang und birgt die Chance, sich mit den eigenen Beziehungsmustern auseinanderzusetzen. In der Konsequenz daraus werden wir eines Tages jemanden treffen, der wirklich zu uns passt.

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