Liebe als Experiment: Mit 36 Fragen zu Schmetterlingen im Bauch?

Forscher haben sich der Frage „Was macht Liebe und Zuneigung aus?“ angenommen und eine interessante Entdeckung gemacht. Sie behaupten nämlich, dass 36 Fragen und ein vierminütiger Augenkontakt ausreichen, dass sich zwei Fremde ineinander verlieben

Kann man Zuneigung oder gar Liebe zwischen zwei Personen steuern? Diese Frage bewegt Menschen bereits seit es unverhoffte Schwärmereien gibt – also schon seit Beginn der Menschheit, in der sich zwischenmenschliche Beziehungen entwickelten. Denn wäre es nicht schön, zu wissen, wie man eine Person dazu bringt sich in einen zu verlieben? Gibt es eine Strategie, die geplante Liebe möglich macht?

Nein. Leider ist es nicht möglich, eine Person garantiert dazu zu bringen, sich zu verlieben. Liebe ist und bleibt nun mal unberechenbar und nicht selten unerklärlich. Dennoch haben sich Forscher der Frage „Was macht Liebe und Zuneigung aus?“ angenommen und eine interessante Entdeckung gemacht. Sie behaupten nämlich, dass 36 Fragen und ein vierminütiger Augenkontakt ausreichen, dass sich zwei Fremde ineinander verlieben.

Liebe als Experiment: Die Studie

US-Psychologe Dr. Arthur Aron versuchte schon vor 20 Jahren hinter das Geheimnis zwischenmenschlicher Beziehungen zu kommen. In seiner Studie „Die experimentelle Erzeugung zwischenmenschlicher Beziehungen“ organisierte er ein Blind-Date zwischen zwei fremden Singles und ließ sie sich gegenseitig 36 Fragen beantworten, die nach und nach immer intimer wurden. Beide Teilnehmer sollten abwechselnd eine Frage vorlesen, diese selber beantworten und dann den Partner antworten lassen. So gaben die Singles ihrem Gegenüber in kürzester Zeit viele intime Einblicke in ihr Leben. Persönliche Geschichten und Erfahrungen, die man normalerweise erst nach einer längeren Kennenlern-Phase offenbart, wurden direkt angesprochen und führten bei den Probanden schnell zu einem Gefühl der Vertrautheit. Der letzte Schritt des Experiments war eine vierminütige Redepause, in der sich die beiden Teilnehmer tief in die Augen schauen sollten: Ein weiterer intimer Moment, der Gefühle, wie Sympathie und Zuneigung stärkt.

Fragen, die das Feuer entfachen

36 Fragen, die immer intimer werden und vierminütiger stiller Augenkontakt: Diese Kombination aus persönlichem Erfahrungsaustausch sowie visuellen Reizen ist also das Geheimrezept für die Liebe. Aus zwei Fremden werden in kurzer Zeit vertraute Verliebte. Doch welche Fragen können so aufschlussreich und persönlich sein, dass man sich praktisch augenblicklich in sein Gegenüber verliebt? Wir haben die 10 spannendsten der 36 Fragen herausgesucht.

  1. Wenn Du unter allen Menschen auf der Welt wählen könntest, wen würdest Du gerne zum Essen einladen?
  2. Was macht für Dich einen „perfekten“ Tag aus?
  3. Wofür bist Du in Deinem Leben am meisten dankbar?
  4. Erzähle Deinem Gegenüber Deine Lebensgeschichte in vier Minuten, aber mit möglichst vielen Details.
  5. Wenn Du morgen mit einer zusätzlichen Eigenschaft oder Fähigkeit aufwachen könntest, welche wäre das?
  6. Wenn Du wüsstest, dass Du in einem Jahr sterben wirst, würdest Du irgendetwas an Deinem jetzigen Leben ändern? Warum?
  7. Nennt abwechselnd eine positive Charaktereigenschaft, von der Ihr glaubt, dass sie Euer Gegenüber besitzt. Macht dies fünfmal.
  8. Vervollständige diesen Satz: „Ich wünschte, ich hätte jemanden, dem ich erzählen könnte…“
  9. Teile mit Deinem Gegenüber einen peinlichen Moment in Deinem Leben.
  10. Wann hast Du das letzte Mal in Gegenwart einer anderen Person geweint? Und wann für Dich alleine?

Schon alleine dieser Bruchteil des Fragenkatalogs zeigt, wie es sein kann, dass man sich in nur 36 Fragen und intensivem Augenkontakt näher kommt, obwohl man sich gerade erst kennen gelernt hat. Bei Dates wird der Small-Talk und damit das erste Beschnuppern für gewöhnlich erst einmal oberflächlich gehalten. Man frägt meist allgemeine Informationen ab, frägt nach Hobbies oder Interessen. Solch persönliche Fragen, wie die von Dr. Arthur Aron werden erst nach ein paar Monaten gestellt.

Liebe als Experiment: Alltagstauglich?

Bevor Sie jetzt begeistert rausgehen und versuchen, fremde Singles zu verführen, sollten Sie sich bewusst sein, dass diese Liebes-Strategie primär ein Experiment zur Erzeugung zwischenmenschlicher Beziehungen war. Im echten Leben kann es schnell abschreckend wirken, wenn man auf Fremde zugeht und ihnen statt der unverfänglichen Small-Talk-Fragen, unverblümt intime Fragen stellt. Diese können schnell aufdringlich erscheinen und genau das Gegenteil von Verliebt sein bewirken. Dennoch kann man sich einer attraktiven fremden Person charmant vorstellen und fragen, ob sie denn schon mal etwas von dem Experiment gehört hat, das Fremde in 36 Fragen zu Liebenden macht. Reagiert Ihr Gegenüber humorvoll und interessiert, steht der intimen Fragerunde nichts mehr im Weg. Und wer weiß, vielleicht haben Sie sich nach 36 Fragen und vierminütigen Augenkontakt auch schon ineinander verliebt.

(1) Milenko Bokan/iStock/Thinkstock, (2) Silphotography/iStock/Thinkstock, (3) monkeybusinessimages/iStock/Thinkstock