Was ist Matching?

Mein Name ist Manfred Hassebrauck. Ich bin Professor für Sozialpsychologie und berate LoveScout24 bei der Weiterentwicklung ihres Angebots. Einmal im Monat berichte ich Ihnen in meiner Kolumne direkt zum Thema Paarbeziehungen.

Mein Name ist Manfred Hassebrauck. Ich bin Professor für Sozialpsychologie an der Bergischen Universität Wuppertal und berate LoveScout24 bei der Weiterentwicklung des hochwertigen Angebots. Einmal im Monat berichte ich Ihnen in meiner Kolumne direkt über meine Forschungen zum Thema Paarbeziehungen. Spannend, verständlich und anwendbar. Diesen Monat habe ich mich mit diesem Thema beschäftigt: „Was ist Matching?“

Matching (auf Deutsch: Passung) ist ein Begriff, der vermutlich vielen Online-Datern vertraut ist. Ich möchte Ihnen erklären, was Matching wirklich bedeutet und welche Missverständnisse und Fallstricke es beim Matchen gibt.

Seit mehr als 80 Jahren erforschen Wissenschaftler unterschiedlichster Disziplinen weltweit, wovon es abhängt, dass manche Menschen mit ihrer Beziehung zufriedener als andere sind, dass manche Beziehungen beendet werden und andere über einen langen Zeitraum stabil sind. Was sie feststellten, ist eigentlich ein ganz einfaches Prinzip. Die Partner in glücklichen und stabilen Beziehungen sind sich in ihrem familiären Hintergrund, ihrer sozialen Stellung, ihrem Bildungsniveau und auch ihrer Gesundheit, ihren Vorlieben und Abneigungen, ihren Interessen und Hobbys und vielen anderen Aspekten ähnlicher als Personen in unglücklichen Beziehungen

Ähnlichkeit reduziert Konflikte

Ähnlichkeit ist also offenbar wichtig, aber warum eigentlich? Jede Form des Zusammenlebens erfordert Zugeständnisse und Kompromisse. Der individuellen Bedürfnisbefriedigung stehen oft die Wünsche des Anderen entgegen. Ähnlichkeit der Interessen reduziert Reibungsverluste. Wenn zwei ohnehin das Gleiche vorhaben, müssen sie sich nicht streiten. Wissenschaftler haben in Übereinstimmung mit diesen Überlegungen festgestellt, dass es auf die Art der Ähnlichkeit oder Unähnlichkeit ankommt. Abweichende politische Meinungen sind für die meisten eher zu ertragen als Unterschiede in Grundwerten des Lebens und der Lebensziele sowie Unterschiede in Freizeitinteressen und Hobbys.

Ähnlichkeit vermittelt Sicherheit

Die meisten Menschen möchten gerne wissen, ob ihre Überzeugungen und Vorstellungen richtig sind. Wer sagt uns beispielsweise, dass unsere Vorstellungen von Unabhängigkeit in einer Beziehung richtig sind, woher wissen wir, dass die Art, wie wir uns kleiden, für uns vorteilhaft ist? Wir können die Richtigkeit unserer Einstellung nicht mit einem Messgerät prüfen. Deswegen achten wir darauf, was unsere Freunde und andere Menschen, die uns wichtig sind, sagen, und nehmen ihre Aussagen als Information zur Beurteilung unserer eigenen Überzeugungen, Fähigkeiten und Meinungen. Stimmen andere mit uns überein, erleben wir das als angenehm.

Wenn man weiß, dass Ähnlichkeit wichtig für das Beziehungsglück ist, sollte es doch ganz einfach sein, den Passenden oder die Passende zu finden. Auch wenn das Prinzip ganz einfach erscheint, ist es dessen Umsetzung keineswegs. Das Problem liegt darin zu entscheiden, nach welchen Merkmalen zu einander passende Personen ausgewählt werden sollen. Ob jemand gerne Pizza oder Spaghetti ist, ist für eine glückliche Beziehung nicht wichtig, und ob jemand gerne Sport macht oder nicht, lässt sich auch schnell feststellen. Dazu braucht man keine Experten.

Seit dem 21. April gibt es nun auch eine Matching-Funktion bei LoveScout24, an deren Konzeption ich maßgeblich mitgearbeitet gearbeitet habe und in die Ergebnisse meiner langjährigen Forschung zum Thema Liebe und Ehe eingeflossen sind. Im Gegensatz zu vielen anderen Online-Diensten wird bei LoveScout24 aber nicht nach Persönlichkeitseigenschaften gematcht. Aus der Forschung ist nämlich bekannt, dass die Ähnlichkeit von Persönlichkeitseigenschaften alles andere als eine Garantie für eine zufrieden stellende Beziehung ist. Ich will damit nicht sagen, dass Persönlichkeit nicht wichtig ist. Ganz im Gegenteil. Es gibt Menschen, die aufgrund ihrer Persönlichkeit immer wieder in Beziehungen scheitern, Menschen, die sehr verletzlich und emotional gereizt sind, oder Menschen, die auch in den positivsten Dingen noch etwas Negatives finden. Es wird nur nicht besser, wenn man zwei Menschen, die sich in solchen Aspekten ähnlich sind, zusammen bringt.

Und umgekehrt gibt es auch Persönlichkeitseigenschaften, beispielsweise Optimismus, die sich sehr förderlich auf eine Beziehung auswirken. Aber auch in diesem Fall ist es nicht die Ähnlichkeit der Persönlichkeit, die wichtig ist. Es reicht, wenn einer von beiden ein solches beziehungsförderliches Persönlichkeitsmerkmal aufweist.

Der LoveScout24-BeziehungsQuotient (so haben wir das Matching-System genannt) berücksichtigt zunächst einmal die Übereinstimmung der Partner im Hinblick auf Ihre Vorstellungen, wie denn eine Beziehung überhaupt sein soll und was eine gute Beziehung ausmacht. Beziehungsideale nenne ich das in meiner Forschung. Und da unterscheiden sich die Leute durchaus. So berücksichtigen wir zum Beispiel, wie wichtig jemanden in einer Beziehung emotionale Nähe ist, wie wichtig einem Unabhängigkeit ist und welchen Stellenwert Sexualität hat. Dann ermitteln wir, wie ähnlich sich die Vorstellungen im Hinblick auf den idealen Partners sind. Wünscht man sich eher einen aktiven, konservativen oder intellektuellen Partner? Und wir prüfen die Übereinstimmung in der Beziehungsorientierung, also ob jemand kurzzeit- und affärenorientiert oder eher langzeit- und familienorientiert ist.

Die Ähnlichkeit in diesen Aspekten ist ganz zentral für eine stabile und glückliche Beziehung. Bedauerlicherweise reden Menschen aber gerade in den Anfangsphasen einer Beziehung nicht über solche Aspekte. Man weiß zwar sehr schnell, welche Hobbys jemand hat und was er oder sie mag oder nicht mag. Und vielleicht auch, welcher Partei er oder sie gewählt hat. Über Beziehungsideale und -ziele aber reden wir meist nicht. Wir nehmen leichtfertig an, dass die anderen in diesen Punkten mit uns übereinstimmen – und so scheitern Beziehungen eben leider oft an Unterschieden der Partner in diesen Aspekten.

Ein anderer Punkt, der das Matching-System von LoveScout24 zu etwas Besonderem macht, ist dessen wissenschaftliche Fundierung. Ich untersuche seit Jahren, was für glückliche Beziehungen verantwortlich ist, und habe weltweit in den unterschiedlichsten Ländern die Vorstellungen von Menschen, wie sie sich ihre Beziehung wünschen, erfragt und auch untersucht, inwiefern Ähnlichkeiten und Unterschiede in diesen Vorstellungen Konsequenzen für Beziehungen haben. Und um festzustellen, welche Eigenschaften der ideale Partner nach Meinung der deutschen Singles aufweisen soll, habe ich gemeinsam mit LoveScout24 die bislang weltweit größte Partnerpräferenzstudie durchgeführt. Insgesamt haben wir mehr als 23.000 Singles nach ihren Wünschen, Vorstellungen und Präferenzen hinsichtlich einer zukünftigen Beziehung befragt – eine Basis, die derzeit keine andere Studie in diesem Bereich aufweisen kann.

Natürlich sind nicht alle Unterschiede und Ähnlichkeiten in diesen Beziehungsmerkmalen gleichermaßen bedeutsam. Manche Ähnlichkeiten sind wichtiger als andere. Das Matching-System berücksichtigt das und nach einem komplexen Berechnungsmuster wird das Ausmaß der Passung ermittelt. Damit steigt die Chance für eine glückliche und stabile Beziehung.