Vorsicht, Konkurrenz!

Manche Paare fühlen sich durch Singles geradezu bedroht. Neben Angst vor Konkurrenz spielt auch Eifersucht auf das "so wilde" Single-Leben eine Rolle. Singles sollten aber nicht als Bedrohung gesehen werden.

Singles wird in unserer Gesellschaft oftmals der Stempel des egoistischen Einzelkämpfers aufgedrückt, dem sein eigener Spaß über das Wohl der Gemeinschaft geht. Dabei unterscheidet niemand zwischen unfreiwilliger und überzeugter Partnerlosigkeit. Schnell sind die Boulevardmedien zur Stelle, um die verheerenden Folgen des sogenannten Single-Booms wie den Untergang der Familie oder auch die Explosion der Mietpreise heraufzubeschwören. Auch demographische Probleme wie die bevorstehende Überalterung werden gerne den Alleinlebenden in die Schuhe geschoben.

Als wäre das noch nicht genug, sieht sich der Single auch noch im Freundeskreis Vorbehalten ausgesetzt. Nicht nur, dass er als fünftes Rad am Wagen scheinbar jeden geselligen Pärchenabend sprengt, er wird oftmals von befreundeten Paaren als regelrechte Bedrohung empfunden.

Finger weg von meinem Mann!
Bei allem Mitleid, das Freunde in Paarbeziehungen so gerne für den armen Single zeigen, der von einem schiefgegangenen Liebesabenteuer ins nächste schlittert: Ein Auge bleibt doch immer wachsam auf den Partner gerichtet, sobald der Single sich diesem nähert. Denn wer weiß, vielleicht steht auf der Liste der ständig suchenden Single-Freundin als nächste potenzielle Eroberung der eigene Mann? Dass dessen Geheimratsecken und der beginnende Bauchansatz möglicherweise nicht auf jede Frau so anziehend wirken wie auf die treusorgende Partnerin, kann da schon mal vernachlässigt werden.

Behalte Deine weite Welt für Dich!
Doch der Single wird nicht nur vom gleichgeschlechtlichen Teil des Paares als Konkurrenz angesehen. Auch eine zu enge Freundschaft zwischen dem Single und dem eigenen Partner wird oft argwöhnisch beobachtet. Schließlich könnten die Geschichten aus seinem wilden Leben dem Partner bewusst machen, dass die eigene Existenz in trauter Zweisamkeit längst vom Alltag bestimmt ist und wenig Überraschungen bereit hält. Statt sich um eine Veränderung dieses Zustands zu bemühen und die Beziehung durch neue Ideen und gemeinsame Erlebnisse aufzupeppen, wird schnell der Single-Freund zum Sündenbock für eventuelle Streitigkeiten. Sein alternativer Lebensentwurf wird zur Wurzel allen Übels stilisiert.

Unser Leben ist besser als Deins!
Besonders der „frische“ Single wird als Bedrohung für das Paar-System empfunden. Er verdeutlicht, dass keine Beziehung – auch nicht die eigene – gegen ein Ende gefeit ist. Er muss außerdem offen und aufgeschlossen sein, um sich in seiner neuen Lebenssituation zurechtzufinden, macht ständig neue Erfahrungen und lernt neue Menschen kennen. Paare dagegen tendieren oft dazu, sich einen sicheren Beziehungsraum zu schaffen, der sich gerade durch seine Kontinuität auszeichnet. Unbewusst stellt der Single durch seine Art zu leben das ganze Dasein des Paares infrage, wie Diplompsychologe Oskar Holzberg in einem Interview mit der Zeitschrift Brigitte erklärt. Deshalb würden viele Paare dazu neigen, befreundete Singles offen zu bemitleiden, um sich in ihrem Paarsein zu bestätigen und zu bestärken.

Wie sollen Paare mit Singles umgehen?
Wie soll man aber als Paar mit der „allgegenwärtigen Bedrohung“ durch Singles umgehen? Eventuell wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung, sich zu verdeutlichen, dass auch wir selbst ganz schnell wieder auf der anderen Seite stehen könnten. Und wie heißt es so schön: Was Du nicht willst, dass man Dir tu‘, das füg‘ auch keinem andern zu. Deshalb ist es ratsam, befreundeten Singles weder mit Misstrauen noch mit Mitleid zu begegnen, sondern sie einfach als Freunde zu behandeln.

Und was soll der genervte Single machen, der sich immer wieder mit argwöhnischen Blicken oder unangebrachter Anteilnahme konfrontiert sieht? Am Besten tief durchatmen und lächelnd darüber hinwegsehen. Denn wie gesagt: Schneller als man denkt, kann das Alleinleben auch wieder gegen ein Paarsein getauscht werden.