Modern Stalking

Ist es ratsam, sein Date vorher im Internet zu suchen und auszuspionieren? Oder sollten wir dem Anderen eine echte Chance geben und abwarten, was er oder sie im Gespräch selbst von sich preisgibt? Die Redaktion diskutiert über Sinn und Unsinn von "Modern Stalking" ...

In Zeiten des allgegenwärtigen Internets macht man sich vor einem Date natürlich schlau, wer einem da wortwörtlich ins Netz gegangen ist. Aber muss das eigentlich sein? Wäre es nicht viel schöner, sich unvoreingenommen zu treffen und persönlich ein eigenes Bild vom Gegenüber zu machen, bevor man ihn oder sie online seziert?

Natürlich kann es nicht schaden, vorher möglichst viel über sein Date zu wissen, doch geht denn heutzutage ohne „Stalking“ gar nichts mehr?

Gib mir deinen Namen und ich sag‘ dir, wer du bist

In einer Folge von „How I met your mother“ beschließen der Protagonist Ted und sein Date, sich vorher nicht via Suchmaschine unter die Lupe zu nehmen. Das Date läuft prima, bis Teds Freunde es nicht mehr aushalten und ihm das Ergebnis ihrer Online-Recherche per SMS schicken: Sein Date ist hochintelligent! Ab da bringt Ted völlig eingeschüchtert keinen vernünftigen Satz mehr heraus. Hätte es ein Wiedersehen mit Zukunft gegeben, wenn Ted nichts vom IQ seiner Auserwählten gewusst hätte?

Sich vorher über den Anderen im Internet informieren, ist das ratsam oder sollten wir abwarten, was unser Date im Gespräch selbst von sich preisgibt? Unsere beiden Redakteure Afra Lindström und Ron Schlesinger diskutieren:

Ein Thema – zwei Meinungen. Was meinen Sie?

Afra Lindström

„Ein bisschen Recherche kann nicht schaden!“

Ron Schlesinger

„Männer sollten nicht wie neugierige NSA-Nasen hinterherspionieren!“

Würde ich nicht gerne recherchieren, dann würde ich auch nicht in einer Online-Redaktion arbeiten. Es ist eigentlich fast egal, was ich mache, ob ich in einen Friseur suche, ein Lokal ausprobiere oder mich eben mit einem Mann treffe: Ich informiere mich vorher gründlich, aber auch kritisch im Internet. Ich weiß eben gerne vorher, was mich ungefähr erwartet. Besonders wichtig wird eine Stalking-Aktion, wenn man sich zum Beispiel in Tracht kennengelernt hat (was in München nicht selten vorkommt). Lederhosen und Karohemd haben nun einmal etwas von einer Uniform und du weißt bis zum ersten Treffen „in zivil“ nicht so richtig, woran du bist. Gefällt mir gar nicht, was ich online sehe und lese, dann kann ich inzwischen aus Erfahrung sagen: „Finger weg!“ Ich habe durchaus die andere Seite probiert und mich erst im Nachhinein online informiert und weiß eins: Beim Daten geht studieren über probieren! Ted Mosby und die sympathische Unvoreingenommenheit seinem Date gegenüber sprechen mir voll aus der Seele. Wir sind Brüder im Geiste, Ted! Ich liebe dich! Rein platonisch natürlich. Doch zurück zum Thema: In den heutigen dunklen Zeiten von Ausspionieren, Abhören und Ausspähen sollten Männer wirklich nicht wie neugierige NSA-Nasen unbedarften Menschen hinterherspionieren, vor allem nicht ihrem kleinen süßen Date. Nein, Männer sollten sich vielmehr von ihrem Gegenüber überraschen lassen – ohne Unterstützung von Google, Facebook & Co. Klingt nach Old-School-Romantik? Ach was, ein Gentleman kann sich bei einem ersten Treffen sehr wohl auf seine Intuition verlassen, kann Gestik und Mimik des Gegenübers studieren, Fragen stellen und sich dann eine eigene Meinung bilden. Ohne die Hilfe von Mark Zuckerberg. Oder hat der etwa auch seine jetzige Ehefrau vorher gestalkt?