Tipps für das Zusammenleben mit dem Partner während des Lockdowns

Die Selbstisolation mit dem Partner kann eine Partnerschaft hart auf die Probe stellen. Doch mit den richtigen Tipps gelingt auch Social Distancing

Ob Social Distancing oder Selbstisolation mit Ihrem Partner: Es ist völlig normal, sich Gedanken darüber zu machen, wie sich diese von der Regierung auferlegten Maßnahmen auf Ihre Beziehung auswirken können.

Zum Auszug muss es auch beim Social Distancing nicht kommen, wenn man ein paar Regeln beachtet.

In der richtigen Dosierung können persönliche Freiräume Wunder für eine Partnerschaft bewirken. Eigene Arbeit, Freunde und Interessen zu haben, trägt oft dazu bei, einer Beziehung Leben und Lust einzuhauchen und eine wichtige Pufferzone zwischen Ihnen und Ihrem Partner zu schaffen, wenn Sie sonst gereizt werden könnten. Während der Selbstisolation ist eine solche Atempause vielen Paaren nicht vergönnt: Sie fühlen sich mit ihrer „besseren Hälfte“ eingesperrt – möglicherweise unter dem zusätzlichen Druck finanzieller Belastungen oder von Kindern, die von der Schule nach Hause kommen.

Wie können Sie also das Gefühl eines persönlichen Freiraums erschaffen und lernen, rund um die Uhr miteinander auszukommen?

Mein Mann arbeitet in der Regel 80 Stunden pro Woche als Koch, und normalerweise bin nur ich Zuhause. Jetzt hat das Restaurant, in dem er arbeitet, plötzlich geschlossen – und über Nacht sind wir beide rund um die Uhr im Haus. Wie können wir uns auf diese Situation einstellen?

Womit die meisten Paare zurzeit zu kämpfen haben, ist ein Mangel an persönlichem Freiraum. Vielleicht fallen Ihnen ein paar Strategien ein, die Ihnen dabei helfen, damit umzugehen? Schon einfache Schritte wie das Arbeiten in verschiedenen Zimmern, getrennte Spaziergänge oder ein langes Bad können dabei helfen, den Tag aufzulockern. Gemeinsame Projekte, bei denen Sie sich darauf konzentrieren, etwas miteinander zu tun als zu reden, sind auch eine entspannende Möglichkeit, Ihre Bindung zu stärken. Wie wäre es damit, gemeinsam ein Puzzle zu legen, das Unkraut im Garten endlich in Angriff zu nehmen oder gemeinsam zu trainieren?

Wie können wir vermeiden, dass wir uns wegen Kleinigkeiten (zum Beispiel, wer die Kontrolle über die Fernbedienung hat) in die Haare kriegen?

Versuchen Sie nicht, alles gemeinsam zu machen. Wenn Sie sich nicht darauf einigen können, welche Netflix-Sendung Sie ansehen möchten, ist es vielleicht am besten, sich ein Hörbuch oder einen guten Podcast anzuhören. Auch wenn es Ihnen schwerfallen mag: Rufen Sie sich in Erinnerung, dass im Moment jeder unter zusätzlichem Druck steht – sowohl finanziell als auch in Bezug auf die Gesundheit der Familie. Daher ist es besser, bis zehn zu zählen, sich ins Bewusstsein zu rufen, dass diese Situation nicht für immer dauert – und sich die Mühe zu sparen, um die Fernbedienung zu streiten.

Unser Wohnraum ist beengt – wir haben nur einen Wohnbereich und das Schlafzimmer. Wie können wir sicherstellen, dass wir trotzdem genug Freiräume haben?

In diesem Fall kann das Arbeiten in getrennten Räumen eine gute Idee sein. Sollten Sie im selben Raum arbeiten, setzen Sie Kopfhörer auf. Machen Sie einen Spaziergang um den Block, wenn Sie etwas Freiraum brauchen – und wechseln Sie sich mit dem Kochen ab, so dass Sie sich beide unabhängig um Ihre Aktivitäten kümmern können. Sie können auch Dinge unternehmen, die Ihre Bindung stärken, wie eine Radtour oder ein einstündiges Workout Zuhause. Dies erfordert keine zahlreichen Gespräche (was eine Erleichterung sein kann!), hilft Ihnen aber, sich miteinander verbunden zu fühlen.

Genau wie andere Paare können wir nur einmal am Tag das Haus verlassen. Was würden Sie uns empfehlen? Zusammen oder lieber einzeln rauszugehen? Und zu welchen Tageszeiten?

Persönliche Freiräume werden Ihnen dabei helfen, Ihre Gedanken zu sortieren und sich zu entspannen. Nehmen Sie sich in angespannten Situationen eine Auszeit und gehen Sie getrennt spazieren. Wenn Sie Zeit miteinander verbringen, sorgen Sie dafür, dass diese intensiv genutzt wird. Lassen Sie Ihre Telefone zuhause und halten Sie inne, um wirklich zuzuhören, wie sich der andere fühlt. Eins der besten Dinge, die wir in dieser Zeit füreinander tun können, ist die Menschen um uns herum emotional zu unterstützen.

Die Familie meines Partners ist zurzeit in Australien gestrandet, was uns zusätzlich belastet. Wie sollten wir mit den größeren Belastungen umgehen, die noch vor uns liegen?

Wenn Sie zu gestresst sind, nehmen Sie sich einen Tag lang eine Auszeit. Gönnen Sie sich eine Pause von den Nachrichten und dem Internet. Gestatten Sie sich einen freien Tag, um sich auf die Dinge zu konzentrieren, die Sie mögen: zum Beispiel einen Podcast-Marathon, eine Verwöhn-Session oder die Zubereitung eines guten Essens. Wenn es darum geht, Ihren Partner zu unterstützen, können Sie einfach eine Tasse Tee kochen oder ein schönes Mittagessen zubereiten, um zu zeigen, dass Sie sich um ihn kümmern, auch wenn er Schwierigkeiten hat, offen über seine Gefühle zu sprechen. Manchmal sind es die kleinen, scheinbar unbedeutenden Dinge, die die größte Wirkung haben können.

Wir sind die einzigen Menschen, die wir täglich sehen und mit denen wir von Angesicht zu Angesicht sprechen: Welche Auswirkungen hat das auf unsere Beziehung?

Eine räumliche Trennung auf Zeit kann eine gute Möglichkeit sein, den Funken in einer Beziehung neu zu entzünden. Wenn Sie diesen Freiraum nicht haben, kann sich schnell Druck aufbauen. Denken Sie daran: Unsere Partner sind nicht dafür zuständig, all unsere emotionalen Bedürfnisse zu befriedigen. Planen Sie deshalb Gespräche mit Freunden und Ihrer Familie ein, um eine zusätzliche Perspektive zu erhalten.

Meinen Partner stört es, dass ich zurzeit Videotelefonate mit allen möglichen Personen in meinem Leben führe. Was kann ich dagegen unternehmen?

Alles sollte ein Geben und Nehmen sein. Zeigen Sie sich rücksichtsvoll, indem Sie Ihre Kopfhörer aufsetzen und wenn möglich in einen anderen Raum gehen. Andererseits gilt: Indem Sie Ihr soziales Umfeld als moralische Unterstützung hinzuziehen, nehmen Sie den Druck aus Ihrer Partnerschaft.

Ich arbeite von Zuhause aus. Mein Partner unterbricht mich immer wieder, weil er etwa der Katze etwas zuruft oder mir lustige Tiervideos zeigen will. Wie kann ich ihm zu verstehen geben, dass ich arbeite, auch wenn ich zuhause bin?

Wenn ein Partner zuhause arbeiten kann und der andere frei hat, führt dies zwangsläufig zu Reibungen. Ist es möglich, in Ihrem Zuhause einen speziellen Arbeitsbereich einzurichten, der nur dafür vorgesehen ist, sich auf Ihre Termine und Aufgaben zu konzentrieren? Sie können Ihrem Partner auch sagen: „Ich arbeite heute an einem wichtigen Projekt und bin deshalb ein wenig unkommunikativ. Aber wie wäre es mit einem gemeinsamen Spaziergang, wenn ich um fünf Uhr Feierabend habe?” Eine klare Kommunikation und das Vorschlagen eines Plans können Sie davon abhalten, gestresst zu wirken. Wenn Sie sich trotzdem weiterhin Katzenvideos ansehen sollen, versuchen Sie, sich Ihrem Partner in einem spielerischen Ton anzunähern: „Das ist zwar eine nette Ablenkung, aber ich kann das erst später genießen…” Ein aufmerksamer Partner wird auf diese Grenzen Rücksicht nehmen.

Mein Partner hat seinen Job als Koch mit nach Hause gebracht: Er reinigt die Küche so gründlich wie im Restaurant und behandelt mich wie einen Mitarbeiter. Was sollte er tun um sicherzustellen, dass er beschäftigt bleibt, aber nicht gereizt wird?

Sie haben erkannt, dass Ihr Partner mit dem Frühjahrsputz ein Projekt gefunden hat, auf das er sich konzentrieren kann: Gut so! Aber Sie haben auch Ihre eigenen Prioritäten. Versuchen Sie die Situation mit Humor zu entschärfen. Wenn er den Wink nicht versteht, sagen Sie (in einem netten Tonfall): „Ich verspreche, dass ich dir am Wochenende dabei helfe, aber jetzt muss ich mich um meine Arbeit kümmern.” Auch Lob kann in solchen Situationen sehr hilfreich sein. Wenn Sie also mitbekommen, dass Ihr Partner etwas Tolles geleistet hat (wie zum Beispiel eine gründliche Putzaktion), dann erkennen Sie seine Bemühungen an und bedanken Sie sich… selbst wenn Sie morgens davon geweckt worden, weil er den Geschirrspüler lautstark ausgeräumt hat.