Kuppler

Mein Name ist Manfred Hassebrauck. Ich bin Professor für Sozialpsychologie und berate LoveScout24 bei der Weiterentwicklung ihres Angebots. Einmal im Monat berichte ich Ihnen in meiner Kolumne direkt zum Thema Paarbeziehungen.

Mein Name ist Manfred Hassebrauck. Ich bin Professor für Sozialpsychologie an der Bergischen Universität Wuppertal und berate LoveScout24 bei der Weiterentwicklung des hochwertigen Angebots. Einmal im Monat berichte ich Ihnen in meiner Kolumne direkt über meine Forschungen zum Thema Paarbeziehungen. Spannend, verständlich und anwendbar. Diesen Monat habe ich mich mit diesem Thema beschäftigt: „Kuppler“

„Martin und Maria wären das perfekte Paar!“

Claudias beste Freundin Maria ist zur Zeit Single. Nach ihrer letzten Beziehung hatte sie ein paar Dates. „Alles nichts“, sagt sie, „die passen einfach nicht richtig zu mir“. Als Maria mal wieder von ihrem letzten Dating-Desaster erzählt, hat Claudia die Lösung schon im Kopf. „Martin könnte gut zu Maria passen. Ja – Martin und Maria wären das perfekte Paar!“, denkt sie. Sie kennt Martin schon aus ihrer Schulzeit, ist mit ihm durch dick und dünn gegangen und bis heute sind beide gute Freunde geblieben. Und Martin ist zur Zeit auch gerade solo.

„Das muss doch einfach funktionieren“

Der Versuch, Martin und Maria zu verkuppeln, endet allerdings nicht wie gewünscht. Maria findet ihn noch nicht einmal interessant, und auch Martins Begeisterung für Maria hält sich in Grenzen. „Wie kann das sein?“, fragt sich Claudia. „Ich kenne doch beide so gut und mag sie auch beide sehr gern. Das muss doch einfach funktionieren“.

Trefferquote liegt bei Null
Es funktioniert nicht, wie die Forschung (und eben manchmal auch die eigene Erfahrung) feststellt. Amerikanische Wissenschaftler baten ihre Versuchsteilnehmer, in Zweiergruppen Gespräche miteinander zu führen, um sich gegenseitig besser kennen zu lernen. Im Anschluss daran sollten sie angeben, wie sympathisch ihnen ihre Gesprächspartner oder ihre Gesprächspartnerinnen waren. Dann, und das war das Schwierige, sollten sie einschätzen, wie sympathisch sich jeweils zwei Personen aus der restlichen Gruppe finden. Die Trefferquote lag allerdings bei Null.

Kognitives Gleichgewicht herstellen
Der Grund für unsere Unfähigkeit vorherzusagen, ob sich zwei Leute mögen oder nicht, liegt in unserem kognitiven System, genau genommen in unserem Bestreben, ein kognitives Ungleichgewicht zu vermeiden und ein kognitives Gleichgewicht herzustellen. Wenn wir zwei Personen gleichermaßen mögen, diese beiden sich aber nicht ausstehen können, ist das innere Gleichgewicht ins Wanken geraten und wir möchten es wiederherstellen, zum Beispiel indem wir versuchen, die Beziehung zwischen beiden zu verbessern.

Selbe Logik auch beim „Verkuppeln“
Diese Logik übertragen wir intuitiv auch auf unsere Verkupplungsversuche. Wenn wir selbst zwei andere Personen sympathisch finden, denken wir, die beiden würden sich auch mögen. Selbst wenn wir beide gleichermaßen nicht leiden können, vermuten wir, dass sie ganz gut zueinander passen. Wenn wir aber nur eine von zwei Personen sympathisch finden, die andere hingegen nicht, dann vermuten wir, dass diese beiden auch nicht gut miteinander auskommen. So verständlich diese Strategie auch erscheint, eine Garantie für Erfolg ist sie keinesfalls. Das liegt daran, dass die Gründe dafür, dass wir Personen sympathisch finden, je nach Person ganz andere Ursachen haben können. Claudia mag Maria, weil sie so spontan und unkompliziert ist, manchmal vielleicht ein wenig chaotisch und unstet. Aber das macht gerade ihren Reiz aus. Und Martin mag sie, weil er verlässlich wie ein Pfeiler in der Brandung steht, absolut vorhersagbar ist und einen stabilen Faktor in ihrer Welt darstellt. Dass Maria und Martin nicht zusammenpassen, ist für Außenstehende offensichtlich.

Außenstehende prinzipiell als Berater geeignet
Sollen wir also lieber nicht auf die Meinungen unserer Freunde und Freundinnen in Sachen Liebe und Dating hören? Doch! Nur nicht wenn sie uns verkuppeln wollen. Im Allgemeinen sind nämlich Außenstehende ganz gut geeignet, Stärken oder auch Schwächen in der Beziehung von Anderen wahrzunehmen. Deren Wahrnehmung ist nämlich nicht durch die „rosarote Brille“, die Verliebte tragen, verzerrt. Während Verliebte leicht dazu tendieren, in den Fehlern ihrer Partner noch etwas Positives zu sehen, ist der Blick von Freunden oder Eltern ungetrübter. Und so kann man auch in der Beziehungsforschung immer wieder beobachten, dass Prognosen über die Entwicklung und Stabilität einer Beziehung, die von Freunden des Paares stammen, viel besser sind als die Einschätzungen des Paares selbst.