Die neuen Einsamen

Mein Name ist Manfred Hassebrauck. Ich bin Professor für Sozialpsychologie und berate LoveScout24 bei der Weiterentwicklung ihres Angebots. Einmal im Monat berichte ich Ihnen in meiner Kolumne direkt zum Thema Paarbeziehungen.

Mein Name ist Manfred Hassebrauck. Ich bin Professor für Sozialpsychologie an der Bergischen Universität Wuppertal und berate LoveScout24 bei der Weiterentwicklung des hochwertigen Angebots. Einmal im Monat berichte ich Ihnen in meiner Kolumne direkt über meine Forschungen zum Thema Paarbeziehungen. Spannend, verständlich und anwendbar. Diesen Monat habe ich mich mit diesem Thema beschäftigt: „Die neuen Einsamen“

Die „unfreiwilligen Singles“
Gabriele F. ist beruflich erfolgreich, intelligent und sehr attraktiv. Die Männer stehen bei ihr Schlange, vermutet man – und irrt sich. Die 39-jährige ist Single, nicht etwa freiwillig, weil sie sich nicht fest binden will. Sie gehört zu den Singles, die die Forschung „unfreiwillige Singles“ nennt, Menschen ohne Partner, die diesen Zustand lieber heute als morgen ändern würden. Aber warum? Es stimmt doch alles. Man kann sich mit ihr blendend unterhalten, sie sieht toll aus, hat Humor und ist auch eine sehr verträgliche Person. Eigentlich die ideale Partnerin.

Attraktive und gebildete Frauen um die 40

Gabriele F. ist mit ihrer Situation nicht allein. Zunehmend mehr attraktive, gebildete Frauen Ende 30, Anfang 40 sind auf der Suche nach einem Partner – ohne den Passenden zu finden. Machen diese Frauen etwas falsch? Oder trauen sich die Männer nicht an erfolgreiche Frauen ran? Haben Männer Angst, vor erfolgreichen Frauen nicht bestehen zu können? Nach meinen Erkenntnissen – nein. Die neuen Einsamen, wie ich diese Gruppe der attraktiven und beruflich erfolgreichen Frauen gerne nenne, sind Opfer einer Partnerwahlstrategie, die sich über Jahrtausende hinweg bewährt hat. Sie legen unbewusst auf die Merkmale eines Partners Wert, auf die Frauen schon seit Jahrtausenden achten. Sie achten auf den Status und die Ressourcen eines Mannes, obwohl sie es selbst eigentlich nicht nötig hätten. Geld und Status haben sie genug.

Relikte aus der evolutionären Vergangenheit
Solche Partnerpräferenzen sind ein Relikt psychologischer Programme, die sich in unserer evolutionären Vergangenheit bewährt haben. Stellen Sie sich einmal eine Frau in grauer Vorzeit vor, die sich zwischen zwei Männern zu entscheiden hatte. Einer von beiden ist ein mutiger und geschickter Jäger und bietet ihr Nahrung im Überfluss an, der andere ist eher ungeschickt und kommt nur ab und an mit Beute nach Hause. Alle anderen Aspekte mal außer Acht gelassen, besitzt der erfolgreiche Mann für sie mehr „Wert“ als der weniger erfolgreiche. Er wird zu ihrem Überleben und dem Überleben möglicher Kinder besser beitragen als der andere. Wenn über die Zeit hinweg Erfolg immer mit diesen für die Frau positiven Aspekten verbunden ist und es sichtbare und verlässliche Hinweise auf diesen Erfolg gegeben hat, dann hätte die Evolution eine Präferenz von Frauen für erfolgreiche Männer begünstigt. Die anderen Frauen und ihre Nachkommen hätten geringere Überlebenschancen gehabt. Die heute beobachtbaren Partnerpräferenzen sind aus ihrer ehemaligen Funktion in einer urzeitlichen Jäger- und Sammlergesellschaft verständlich.

Frauen achten mehr auf den Status des potentiellen Partners
Und so stellt man auch heute weltweit fest, dass Frauen bei der Wahl eines Partners für eine Langzeitbeziehung mehr als Männer auf den beruflichen Status, das Bildungsniveau und das Einkommen eines Partners achten. Auch wenn sie selbst beruflich erfolgreich sind und gut verdienen, sind ihnen solche Aspekte beim Partner nicht egal. Im Oktober 2008 habe ich gemeinsam mit LoveScout24 mehr als 22.000 Männer und Frauen aller Altergruppen nach ihren Partnerwünschen gefragt. Obwohl sich Männer und Frauen in vielen Punkten ähnlich sind, etwa dass er oder sie ehrlich, verständnisvoll und humorvoll sein soll, haben wir, wie andere Wissenschaftler auch, in dieser weltweit größten Studie über Partnerpräferenzen festgestellt, dass der überwiegende Teil der Frauen Status, Einkommen und Bildung als wichtiger betrachten, als Männer das tun.

Feld der „passenden Männer“ ist klein
Zurück zu Gabriele F. Sie selbst sagt von sich, dass sie gar nicht besonders anspruchsvoll sei, aber sie müsse einem Partner schon auf Augenhöhe begegnen können. Und damit fängt das Problem der neuen Einsamen an. Männer, die ebenso erfolgreich und gebildet wie diese Frauen sind, gibt es nicht zuhauf – und die meisten von ihnen sind mit Anfang bis Mitte Vierzig schon vergeben. Das Feld der Verfügbaren, also der Männer, die prinzipiell in Frage kommen, ist für gebildete und erfolgreiche Frauen klein. Dazu kommt erschwerend hinzu, dass ein Mann Anfang Vierzig meistens eine Präferenz für Frauen hat, die deutlich jünger sind als er. Immer wieder stelle ich in meinen Studien fest, dass Männer relativ zum eigenen Alter um so jüngere Partnerinnen möchten, je älter sie selbst sind. Während 20-jährige Männer noch eine Partnerin akzeptieren würden, die zwei Jahre älter als sie ist, dürfte sie bei 40-jährigen durchaus auch zwölf Jahre jünger sein. Kurzum, die Menge der Männer, die den Erwartungen der attraktiven, erfolgreichen Frauen um die Vierzig entspricht, ist klein, und die Männer, die übrig sind, möchten lieber eine jüngere. Kein Wunder also, dass diese Gruppe von Frauen nicht so leicht den Richtigen findet.

Die eigenen Ansprüche senken oder aber einen älteren Partner akzeptieren, beides zugegeben keine sehr attraktiven Vorschläge, wäre die Lösung des Dilemmas.